Sonntag, 3. Juli 2016

In der Pauschalhölle - The Sailor Maid goes Mallorca Teil 2 - Das Hotel

Das Hotel ist eine typische Bettenburg in einem vom Deutschen überbevölkerten Urlaubsort. Genau  solche ein Ort, die meine Eltern früher immer gemieden haben. Heute weiß ich, wieso.
Ein Souvenirshop ist an den anderen geklatscht und alle verkaufen die gleichen Dinge: Luftmatratzen, Handtücher und - ganz wichtig - Sonnenschirme. Von der ursprünglichen mallorkinischen Architektur und Kultur haben die Touristen nichts übrig gelassen. Um die Ecke vom Hotel gibt es gleich zwei Deutsche Kölsch Kneipen. Die eine war wohl bereits in einer bekannten Deutschen Auswandererserie vertreten, bei der anderen bin ich mir sicher, dass sie nächstes Jahr nicht mehr existiert und ihre Besitzer im nächsten Jahr wieder auf deutsche Steuergelder angewiesen sein werden. Da sitzt niemals jemand drin und die Besitzer sehen auch nicht so aus, als wären sie in der Lage, daran etwas zu ändern. Im "Spar" um die Ecke sprechen alle sehr gute Deutsch. Mallorca ist eben doch das 16. Bundesland.


Mein Zimmer ist im 4. Stock. Soweit so gut, denn der Fahrstuhl fährt nur bis in den dritten. Der freundlichen Mann an der Rezeption beschrieb mir den Weg folgendermaßen: Ich solle einen Gang bis zum Ende eines Ganges gehen und dann eine "kleine Treppe" nach oben. Da sind zwei Gänge und wie immer bei einer 50:50 Chance nehme ich zuerst den falschen und lande auf der Feuertreppe. Also zerre ich meinen Koffer den zweiten Gang entlang und eine weitere Treppe nach oben. Als Alleinreisender, denke ich mir, bekommt man wohl die unzugänglichsten Zimmer angedreht.

Als ich mein Dornröschen-Zimmer endlich gefunden habe, werde ich aber entschädigt. Das Zimmer ist so naja, aber die Dachterrasse! Sie ist fast doppelt so groß wie das Zimmer, es stehen Liegen und Stühle darauf und ich habe einen genialen Blick auf die Bucht. Azurblaues Meer als Aussicht. Da will ich mich nicht beschweren. Gut, im Vordergrund kann ich in den Hinterhof eines anderen Hotels gucken, aber ich bin auch genau so weit von unserem Pool und der daneben liegenden Bar entfernt, dass mich grölende Hotelgäste beim Fußball garantiert nicht stören würden.

Das Bett allerdings. Wie beschreibe ich das am besten? Europaletten auf Stelzen? Ja, das trifft es wohl. Glücklicherweise bin ich alleine, denn es steht zwar quasi ein Doppelbett im Zimmer, aber das sind zwei Einzelbetten, die zusammengeschoben wurden, auf Fliesenboden, was dazu führte, dass sich das Bett bei jeder Drehung fröhlich durch den Raum bewegte. Nicht auszudenken, wie das ist, wenn man als junges Paar dort zusammen liegen möchte, oder gar mehr. Bettstatt (statt Bett), würde auch passen.
Der erste Versuch, mich ins angeblich offene WLAN zu wählen, zeigt, das kostet. Und nicht wenig. 6€ am Tag. Also entscheide ich mich erst mal, dass im Urlaub offline zu gehen, ziemlich gesund sein könnte. Später finde ich heraus, dass es in der Lobby ein freies, aber ziemlich langsames WLAN gibt. Hier trifft man dann auch morgens und abends immer die gleichen Leute. Es hat etwas von einer Raucherecke, in der alle Facebook und WhatsApp Junkies zusammen kommen. Ganz ohne Kontakt zur Außenwelt geht es halt auch wieder nicht.

Laut des jungen Mannes im Reisebüro sei das Hotel bekannt für sein gutes Essen. Wo er das wohl her hatte? Das Restaurant ist ganz hübsch, ja. Das Essen ist aber sehr verdeutscht. Nudeln, Hähnchen, Schnitzel. Ein bisschen lieblos präsentierter Salat und jeden Abend ein pseudospanisches Gericht, davon zweimal die Woche Paella, die mir aus dem Tiefkühlfach irgendwie bekannt vorkam. Ich fand alles etwas fantasie- und lieblos. Echt schade.
Aber eigentlich hätte mir das bei der Buchung einer Pauschalreise ja klar sein müssen. Dafür habe ich mich ein paar Tage später echt lecker belohnt. Aber dazu später.