Dienstag, 6. Oktober 2015

Weil ich ein Märchen bin - Schneewittchen und die Kunst des Tötens


Erinnert ihr euch noch an Lucilectric? Ich mag mich ja jetzt outen, dass ich in den 90ern bereits alt genug für ein Bewusstsein war, aber wir alle haben uns ja auch seit "Weil ich ein Mädchen bin" weiterentwickelt. So auch Luci van Org. Mit Worten kann sie heute sogar noch besser umgehen, denn "Schneewittchen und die Kunst des Tötens" ist die Zartbitterpraline unter den bösen Büchern.
Auf 143 viel zu kurzen Seiten schafft sie, wofür andere die doppelte Seitenzahl benötigen.
Wir haben zwei Erzählstränge, die natürlich gegen Ende zusammenlaufen. Zunächst lernen wir Maél kennen, der mir wieder bestätigt, dass manche Menschen böse geboren werden. Bei ihm wird das Töten zur Kunstform erhoben. An Material und Vertuschungsmöglichkeiten mangelt es dem Gerichtsmediziner ja nicht. Dexter lässt grüßen. Er ist aber so begeistert von seiner Kunst, dass man eine seltsam kranke Zuneigung zu ihm entwickelt.
Und nun Einsatz Schneewittchen und die sieben Zwerge mit einem ziemlich trotteligen Prinzen. Vergesst 50 Shades of Grey! Der verhinderte Christian Grey Ivo ist einfach nur so süß in seinem Versuch als gestandener Dom rüber zu kommen, um seine geliebte Nina glücklich zu machen, die wegen ihrer bösartigen Mutter eigentlich nur sterben will. Dazu kommen noch die sieben Nerd-Zwerge in ihrer leicht gestörten Art. Klar, dass es spannend und bösartig komisch wird, als Maél und Nina aufeinander treffen und sich der Prinz als so völlig ungeeignet zur Rettung herausstellt. Selbst ist die Frau (weil sie ein Mädchen ist ;-))
Ich wäre beim Lesen fast vor Lachen in der Wanne ertrunken, denn Luci van Org trifft genau diese fiese kleine Stimme mit dem feinsinnigen schwarzen Humor. Und die lose Verbindung mit deutschen Märchen ist einfach super.
Angeblich hatte ihr Mann ein wenig Angst, als sie das Buch schrieb, was wohl das Schicksal unserer Partner ist, wenn wir übers Töten schreiben. *Schmunzel*
In mir hat sie auf jeden Fall einen neuen Fan gewonnen. Und den U-Line Verlag solltet ihr euch unbedingt merken, wenn ihr jenseits des Mainstreams nach abwegiger Literatur sucht. Besser als die, passen wenige Bücher in die Rubrik "Leselust".