Dienstag, 15. Dezember 2015

Adventskalender 2015 - Türchen 15: Telekom Oma vs. Edeka Opa

               

Kennt ihr schon Familie Heins? Bestimmt. Sie sind die moderne lustige Familie der Telekom, deren Oma auch gerne mal Christbauming betreibt oder Big Dislikes verteilt, deren Tochter eine Rolle bei Fack Ju Göthe 2 ergattert hat und wo sich alle so herrlich lieb haben. Eigentlich trieft das, aber ich finde, es ist einer der schönsten Werbespots des Jahres.
Aus zweierlei Gründen: Der erste ist offensichtlich, denn es ist ja der Plot des Spots. Sie schalten an Heilig Abend alle ihre Handys, Ipads, den Fernseher und so weiter aus, um ohne Ablenkung den Abend miteinander zu verbringen.
Es ist ja schon traurig, dass man damit schon Werbung machen kann. Denn eigentlich sollte es selbstverständlich sein, dass man sich an so einem Abend oder auch generell, wenn man die Zeit mit denen verbringt, die man lieb hat, diesen auch die ungeteilte Aufmerksamkeit schenkt. Anscheinend muss man das den Deutschen aber doch erst vormachen. Der Slogan der Telekom: "Diese Verbindung schaffen sogar wir nicht." Die Familie scheint ja tatsächlich die Zeit gerne miteinander zu verbringen.
Und hier sind wir schon bei Punkt zwei, weshalb ich diesen Spot dem Edeka Spot bei weitem vorziehe: Die Oma setzt sich nicht zu Hause hin und wartet auf den Tod oder dass sich alle zu ihr bewegen und wundert sich, dass diese dazu schon seit Jahren keine Lust mehr haben.
Denn "Ich habe keine Zeit, dich zu besuchen" heißt "Ich will mir dir Zeit nicht nehmen." Frei nach dem Motto: Wer nicht will, findet Gründe. Wer will, findet Wege. Sonst wurden es die Edeka Bratzen ja auch mal an einem anderen Tag schaffen. Das muss nicht unbedingt Weihnachten sein. Wenn die Kinder aber schon seit Jahren keine Zeit mehr mit einem verbringen wollen, würde ich mir mal Gedanken machen, zu welchen Werten ich meine Kinder erzogen oder was ich ihnen vorgelebt habe. Und er könnte ja so tatsächlich mal Weihnachten reihum bei jedem Verbringen und würde so noch etwas von der Welt sehen. Das hat ja auch die Deutsche Bahn erkannt.


Oma Charlotte kommt zu ihren Kindern und weiß mit Sicherheit, dass sie sich so auch das Einkaufen, das Kochen und den Abwasch spart. Sie hat das bestimmt Jahre lang gerne gemacht, aber inzwischen konnte sie das Zepter abgeben und genießt es ja sichtlich, sich auch mal verwöhnen zu lassen. Das hat bei denen eine schöne Ausgeglichenheit. Die Enkel verbringen, wie wir ja aus vorigen Spot gelernt haben, auch noch gerne Wochenenden bei ihrer Oma. Aber die kommt eben auch mal vorbei und bleibt ein paar Tage. Eine moderne tolle Frau. Ich hatte schon überlegt, ob man den Edeka Opa nicht mit ihr verkuppeln sollte ;-) aber ich glaube, der wäre ihr zu alt.
Und wenn die Wege sehr weit sind, kann man sich ja auch mal in der Mitte treffen. Denn es geht ja vor allem darum, zusammen zu sein, nicht darum, Jahrzehnte alte, jedes Jahr auf die gleiche Weise abgespulte Bräuche abzuspielen. Und sowas ist ortsunabhängig. Bei uns ist die Mitte übrigens der Harz.