Dienstag, 30. Juli 2013

Tausend Koffer, tausend Träume - Das Auswanderermuseum BallinStadt



„Gebt mir eure Müden, eure Armen / Eure geknechteten Massen, die frei zu atmen begehren / Den elenden Unrat eurer gedrängten Küsten; / Schickt sie mir, die Heimatlosen, vom Sturme Getriebenen, / Hoch halt' ich mein Licht am gold’nen Tore!“ ~ Emma Lazarus
"Give me your tired, your poor, / Your huddled masses yearning to breathe free, / The wretched refuse of your teeming shore. / Send these, the homeless, tempest-tossed to me: / I lift my lamp beside the golden door.“ ~ Emma Lazarus


In der Hamburger BallinStadt auf der Veddel, erzählt man die Geschichten dieser Müden und Armen, der Heimatlosen und vom Sturme Getriebenen und lässt dadurch Geschichte lebendig werden. Unter jedem Kofferdeckel steckt ein Einzelschicksal und das hat sich das Museum zu Herzen genommen. 

The Emigration Museum BallinStadt in Hamburg tells the stories of these tired and poor, the wretched and homeless and brings history to life. 


Der Besucher folgt einigen dieser Auswandererschicksale von ihren Höfen über die BallinStadt und die Schiffsreise im Zwischendeck nach Amerika über Ellis Island. An verschiedenen Hörstationen erzählen Sprecher die persönlichen Geschichten, die zu verschiedenen Zeiten 5 Millionen Menschen dazu brachten, den langen Weg anzutreten. Für viele führte der Weg über das Gegenstück zu Ellis Island. Die Auswandererhallen der HAPAG, gegründet von deren Vorstand Albert Ballin und 1901 eröffnet.

The visitors can follow some of the emigrants from there homes over the BallinStadt and the boattrip to America and Ellis Island. Different audio stations tell the personal stories that made some of the 5 billion people to start the long journey. For many of them their way lead over the counterpiece of Ellis Island. The emigration halls of the HAPAG, foundet bei Albert Ballin and first opened in 1901.

















Viele Fotos und Originalstücke, gespendet von den Nachfahren der Auswanderer, machen Geschichte greifbar. Es gibt an einem Grenzübergang ganze Stapel solcher Reisepässe. Ohne die durfte man nicht einmal auf deutschen Boden einreisen, dazu musste man das Ticket und das Fahrtgeld vorweisen können. 


Many photographies and original pieces of the time, bequeathed by descendents of the emigrants, make history almost touchable. There is even a border line with hundrets of pass ports. Without them, one wasn't allowed to enter German ground. One even had to produce the ship ticket and enough money for the trip.

Die Auswanderer reisten zumeist auf den damals riesigen Dampfschiffen, der Hamburg-Amerika Linien, wie auch der "Imperator". Dazu muss man wissen, dass nur 20% der Passagiere in der 1. und 2. Klasse reisten. Der größte Teil gehörte zu den Passagieren des Zwischendecks, machte also den meisten Umsatz. Den meisten Aufwand betrieb man allerdings für die Luxuspassagiere, wie die Sonderausstellung "Schiffe der Träume" im Foyer des Museums und das nachgebaute Schiffsinnere in Haus 2 zeigen.

The emigrants mostly travelled on huge steam ships like the "Imperator". Only 20% travelled in the First and Second Class. The greater volume of sales was generated by the passengers of the tween deck. The most effort and expence was spent for the luxury class, anyway. The special exhibition "Ships of Dreams" shows how that class travelled very well.



Na, wo hättet ihr wohl lieber geschlafen, beziehungsweise die meiste Reisezeit verbracht? Denn vor allem die Passagiere im Zwischendeck durften nur 2 Stunden am Tag nach draußen. Der freundliche junge Mann rechts im Bild ist Oliver Hermann, der uns als junger Auswanderer durchs Museum begleitet.

Where yould you like to sleep or spent the most of your time? Passengers of the tween deck often only got allowance to go outside for only two hours per day. The young man on the right is Oliver Hermann, an actor, who accompanies us through the exhibition as a young emigrant.


Hier plante Albert Ballin die Auswandererstadt, die den höchsten hygienischen Ansprüchen genügen sollte und technisch und medizinisch so gut geplant war, dass sie schon vor Eröffnung auf der Weltausstellung Preise abräumte. Mit seinen hohen Standards zu günstigen Preisen machte Ballin anderen Firmen große Konkurrenz.

This is the table where Albert Ballin planed the Emigration Halls. With its high standards of hygiene, technics and medicine it even won prices on the world exhibtion, before it opened. 



In Haus 3 wurde die originale Situation rekonstruiert, die die Auswanderer in der BallinStadt erwartete. Es herrschte strickte Geschlechtertrennung, es sei denn, man konnte ein Familienzimmer ergattern. Die Kinder blieben bei ihren Müttern. Die täglichen medizinischen Untersuchungen sollten verhindern, dass die Passagiere in Ellis Island wegen Krankheit angewiesen wurden. Es gab deshalb auch eine "reine" und eine "unreine" Seite, damit kranke Auswanderer keine gesunden anstecken konnten. Außerdem durften die Schlafsäle tagsüber nicht genutzt werden. Dafür gab es aber genug Zerstreuung, sogar Konzerte und einen kleinen Laden.

In house 3, the museum reconstructed the original situation of the emigrant dorms. There was a strict sex segregation, apart from family dorms. The daily medical checkups had to be done to secure that the emigrant weren't turned down on Ellis Island because they were ill. This is why the BallinStadt had a "clean" and an "unclean" side to keep ill emigrants from mixing with the healthy ones. The dorms were not to be used during daytime. But there where a lot of things to do, even music concerts and a little store.


Wenn es dann los ging, bestiegen die Auswanderer als Passagiere eines von diesen Schiffen. Das ist die Imperator. Nachdem die Titanic 1912 gesunken war, war es bei der Jungfernfahrt mit 30.000 BRT (Bruttoregistertonnen) das größte und luxuriöseste seiner Zeit. Solche Schiffe wurden bis dato aber als reine Transportmittel betrachtet. Kreuzfahrten kamen erst langsam auf und Menschen, die als Touristen zum reinen Vergnügen reisten, wurden doch noch etwas belächelt. Wer setzt schließlich freiwillig diesen Strapazen aus?
Später gab es aber auch reine Auswandererschiffe mit nur einer minimalen Anzahl von Luxuskabinen.

When the journey began, the emigrants boarded one of these ships. This is the "Imperator". After the catastrophe of the Titanic in 1912 it was the biggest and most luxurious ship in the world. These ships where seen as transport means only. Cruises were only coming into popularity and people traveling as tourists for their own pleasure where seen as a bit excentric. 
Later there where also ships for emigrants only, whith only small numbers of luxury cabines.


Die Ausstellung zeigt aber auch die traurige Seite, die geplatzten Träume. Denn nicht jeder jeder wurde aufgenommen, so wie es die Freiheitsstatue versprach. Viele wurden auch wieder zurückgeschickt. Wer krank war, oder keine ausreichenden Papiere oder Vorstrafen hatte, wurde durchaus auch wieder über den Atlantik zurück geschickt. Dies geschah auf Kosten der Reedereien, die zusätzlich auch noch hohe Strafen zahlen mussten. Es gibt sogar Protokolle über einzelne Fälle. Als Historikerin ging mir bei den vielen erhaltenen Briefen und anderen Schriftstücken absolut das Herz auf.

The exhibition also shows the sad side, the broken dreams. Not everyone was accepted, as the statue of liberty promised. Many of the emigrants where send back because of illness, inconvenient papers or a criminal record. They had to be transported on cost of the shipping companies and these also had to pay a large fine. The museum also owns some protocolls showing such cases.


Ganz am Ende der Ausstellung wurde ein Familienforschungszentrum eingerichtet. Denn wie auf Ellis Island kommen auch hier viele Menschen her, die auf der Suche nach Informationen über ihre Ahnen sind. Hier können Sie sich bei der Suche auch helfen lassen. Dieser Service ist kostenlos.

At the end of the exhibition there is an ancestry center where the descendants can search for information about there family. This service is free of charge.

Ich war völlig begeistert und bin für die Einladung der Presseabteilung sehr dankbar. Ich werde bestimmt wiederkommen. Wer sich für Geschichte und speziell die Hamburger Geschichte interessiert, ist hier gut aufgehoben. Filme, Hördokumente, Bilder und alles ist so liebevoll gestaltet und wächst auch immer noch durch Spenden von Familien, die Dachbodenfunde  immer wieder zur Verfügung stellen.

I was really amazed of the museum and am very thankful for the invitation by the press department. Visitors of Hamburg who love history and especially Hamburg's history are right to visit the BallinStadt. Little videos, audio documents, photographies and everything is exhibited with love and care. And the museum is growing, because familes are bequeathing attic findings.