Mittwoch, 26. Juni 2013

Böse Dinge - Eine Enzyklopädie des Ungeschmacks


Im Museum für Kunst und Gewerbe kann man sich momentan sehr merkwürdige Dinge ansehen und sogar zur Ausstellung beitragen. Die Rede ist von "Böse Dinge - eine Enzyklopädie des Ungeschmacks". Die Beschreibung finde ich wirklich sehr treffend und es braucht auch fast nicht mehr Erklärungen nur, dass es ein versuch ist, die ursprüngliche Ausstellung Geschmacksverirrungen im Kunstgewerbe im Landes-Gewerbe-Museum Stuttgart (1919) von Gustav E. Pazaurek zu rekonstruieren und zu erweitern. Es gibt unterschiedliche Kategorien, in die man die Geschmacklosigkeiten einordnen kann, vom schlechten und verdorbenen Material, über Konstruktionsattrappen bis zum Patenthumor. Die genaue Einteilung von Pazaurek findet ihr hier.
One of the new exhibitions in the Museum für Kunst und Gewerbe is called "Evil Things - An Encyclopedia of Bad Taste" and this description is absolutely fitting. Many things seem very familiar like the Teletubbies Puppet which had to be taken from the marked due to toxics in the material. There are different categories for bad taste which are very interesting like bad material or humorous patent.

Ausstellungsansicht / Exhibition View, Foto / Photo: Michaela Hille

Einige Stücke kamen mir sehr bekannt vor, allerdings eher vom Rapex Report. Der Teletubbie gehört übrigens zu der Kategorie schlechtes und verdorbenes Material, denn er enthält verbotenen Weichmacher. Lecker für Kinderspielzeug. Allerdings wurde er auch vom Markt genommen.


Obama-Kindersneakers, Entwurf 2008, Keds, USA, 2009, Kategorie: Hurrakitsch, Sammlung
Werkbundarchiv – Museum der Dinge, Berlin, Foto: Armin Herrmann

Die Schuhe fand ich besonders krass. Der amerikanische Wahlkampf hat doch wirklich seltsame Blüten getragen, oder eher Schuhe. Die fallen in meine Lieblingskategorie "Hurrakitsch".
These shoes show how American designers overdid it during the election campaign.

Salz- und Pfefferstreuer in Form einer Frau, 2009, Kategorie: Konstruktionsattrappe oder
 Weithergeholte Phantasiegestaltung, Sammlung Werkbundarchiv – Museum der Dinge, Berlin,
 Foto: Armin Herrmann

In welche Kategorie dieses selten hässliche Exemplar eines Salzstreuers gehört, dürfte einfach zu erraten sein. Klar, in die "sexistische Gestaltung". Es gab aber noch viel mehr, von der Afrospülbürste bis zum Hirschgeweihstuhl war alles dabei.
You won't have to wonder under which category this salt and pepper shaker has to belong: correct, sexist design. But there was so much more from an afro-dishwashing brush to a dear head chair.

Der Ausstellungsbesucher kann aber auch eigene Dinge beitragen, denn es gibt eine Tauschbörse, bei der man seine eigene Scheußlichkeit gegen die eines anderen eintauschen kann. Auf dem langen Tisch sammelten sich dann wirklich kitschige Dinge. Leider habe ich die Weihnachtsschneekugel vergessen, die ich dort abladen wollte.
Die Ausstellung geht noch bis 15. September, falls ihr auch was loswerden wollt.
Die Ausstellung war wirklich ganz witzig, aber erstaunlich klein. Da gab es andere im Hause, die mich mehr beeindruckt haben, zum Beispiel die zur Japanischen Reisefotografie im 19. Jahrhundert. Beim momentan wieder vorherrschenden Wetter lohnt sich ein Besuch des Museums aber in jedem Fall. Vielleicht schafft ihr es ja auch, die Teenagerhorden zu umgehen, die gerade von ihren kunstbegeisterten Betreuern durch die Ausstellungen getrieben werden und ihrem Unmut dann an der "Geschmack ist...."-Wand Luft machten.
Danke nochmal an das Museum für Kunst und Gewerbe, dass mit den Besuch der Ausstellung ermöglicht und die Pressefotos zur Verfügung gestellt hat.
Visitors can also contribute to the exhibtion by bringing their own evil things to swap them with the evil things of other visitors. On the long table was a collection that was as cruel as the real exhibtion.
I think it was a very funny thing but I was rather more impressed by other exhibitions in the museum, for example by the 19th Century Travel Photography in Japan. This one is really worth the visit. And maybe you can omit the hordes of teenagers lead through the house by their art enthusiatic teachers.
A big thank goes to the museum for enabling me to visit and for providing the press photos.