Sonntag, 27. Januar 2013

Writer's Slotmachine Geschichte #3

 Die Vorgaben:
Tanzen / Bungeespringen, Erfurt/ München, Move in the Right Direction/ Die Wanne ist voll, Sage/ Erzählung
Leute, ihr macht es mir mit jedem Mal schwerer, aber auch ein Autor wächst ja an seinen Aufgaben. Ich möchte erwähnen, dass die hier geschilderten Ereignisse und Personen natürlich frei erfunden sind. Ähnlichkeiten sind rein zufällig, aber natürlich beabsichtigt.
 

 
Am –.--.--. war in der Zeitung zu lesen: „Bekannter Volksmusikmoderator bei waghalsigem Bungeesprung vom Münchner Fernsehturm zu Tode gekommen. Bekannteste Samstagabendshow des deutschen Fernsehens wird nun endgültig abgesetzt.“
Natürlich hatte ganz Deutschland am Abend zuvor dabei zugesehen, wie in einem letzten Versuch, seine sinkende Beliebtheit zu retten, Felix Goldbrenner auf den Fernsehturm gestiegen war. Zuvor hatte er sich als Wettpate grob verschätzt, dass der Thüringer Justin Koslowski aus Erfurt es schaffen würde, 10 Kühe nur am Geruch ihrer Euter zu erkennen. Der neue Moderator der Show, der sich in seiner dritten Sendung immer noch beweisen musste, hatte ihm zuvor den Bungeesprung aufgedrückt.
Während sich der völlig Volksmusikmoderator auf den Weg zum Absprungort machte, trat die bekannte Popband Gossip mit ihrem Song „Move in the Right Direction“ auf. Später spekulierte man in den Medien, ob dies eine dezenter Hinweis oder gar Vorsehung gewesen sei. Verschwörungstheoretiker meinten sogar, dass alles sei von Michael Linz geplant gewesen, der das Seil höchstpersönlich angeschnitten hätte, um den lästigen Konkurrenten vom rivalisierenden Sender auszuschalten. Der Auftritt von Gossip sei sein bösartiges Goodbye gewesen.
Inzwischen war Goldbrenner mit dem Kamerateam auf dem Fernsehturm angekommen. Das Team, der Bungeespring Firma wartete bereits auf der Fensterputzplattform. Außenmoderatorin Mandy aus Neukölln war mitgekommen, um die letzten Worte vor dem Sprung aufzunehmen. Im Studio diskutierte man noch im Kreise der deutschen und amerikanischen Filmstars, ob Goldbrenner wirklich springen würde. Was keiner ahnte, Linz hatte hinter den Kulissen bereits Wetten laufen, an denen sich die Stars mit einigen tausend Euro beteiligt hatten. Vor der Kamera gab man sich natürlich zuversichtlich. Bruce Willis, der für seine Filme schon so einige gefährliche Situationen hinter sich gebracht hatte, tat das Ganze immer wieder nur als „Kinkerlitzchen“ ab. Das Wort hatte er gerade von Kollegin Veronika Ferres, die bei solch einer Sendung natürlich nicht fehlen durfte, gelernt.
Schließlich war es soweit. Goldbrenner war in sportliche Kleidung verpackt und mit Sicherheitsgurten eingeschnürt worden und stand an Ende der Plattform und mit einem zünftigen „Gemma!“, ließ er sich in den Abgrund fallen. Die Kamera, die man ihm auf den Rücken geschnallt hatte, nahm noch das wundervolle Münchner Panorama auf. Und plötzlich wurde aus dem begeisterten Johlen Goldbrenners entsetztes Kreischen. Beim Aufprall fiel die Kamera aus.
Entsetzt fiel die dicke Mandy in Ohnmacht. Im Sendezentrum diskutierten Regie und Sendeleitung darüber, ob man die Sendung abbrechen sollte. Im Studio war es still geworden. In der ersten Reihe musste sich eine Zuschauerin übergeben.
Michael Linz fasste sich als Erster wieder und versuchte die Situation zu retten, doch da bekam er über seinen Ohrstecker die Entscheidung der Sendeleitung mitgeteilt. Abbruch. Ihm blieb nur noch die Abmoderation.
Sofort wurden alle Sensationsreporter auf den Weg geschickt, um über das Ereignis zu berichten und so sammelten sich die ersten Fotografen am Absturzort, noch bevor die herbeigerufenen Rettungskräfte vor Ort eintrafen. Dazu kamen die vielen Schaulustigen, die natürlich jede Kleinigkeit mit ihren Smartphones filmten. Auf Youtube und Facebook entstand ein wahrer Videotsunami. Jede Boulevardzeitung und jede sogenannte News Show kauften Privatleuten ihre Handys ab und brachten die exklusiven Filmchen vom Geschehen. Da sah man dann, wie Sanitäter Mandy nach unten halfen, wo sie sich übergeben musste und ähnliche wichtige Details des Abends.
Die Spekulationen reichten von Selbstmord über Materialermüdung bis feigem Mord. Ganz geklärt werden konnte es nie. Wie es immer so ist, krochen nun auch die Wiesel unter den Sensationsreportern aus ihren Bauten und zerrten die kleinen dunklen Geheimnissen des Toten ans Tageslicht. Da war von Drogen die Rede und wilden Orgien hinter den Kulissen des Volksmusikzirkus. Die Paparazzi verfolgten die Verlobte 24 Stunden am Tag, auf der Jagd nach jeder einzelnen Träne.
Nachdem der größte Schock überwunden war, ging die Diskussion um Goldbrenners Nachfolge los. Wer würde in Zukunft seine Sendungen übernehmen? Würde man die Wettshow nun endgültig einstampfen? Was würde aus Linz werden, der den Konkurrenten ja in den Tod geschickt hatte?
In den Talkshows von Maischberger bis Beckmann wurden die Stars vom Sofa bis zum zufälligen Beobachter des Geschehens befragt. Sogenannte Experten durften ihre Meinung zu den Ursachen abgeben und man diskutierte auf allen Kanälen, wie weit die Sensationslust in den Medien gehen durfte.
Kurzum, der Tod des umstrittenen Volksmusikmoderators hatte der Deutschen Presse das Sommerloch gestopft und schon im September war fast alles vergessen und neue Skandale waren in den Vordergrund gerückt und alles ging wieder seinen gewohnten Gang.
 
So und nun die Themen für nächste Woche: Ich benötige eine Phobie, eine Art der Fortbewegung, ein Schulfach und natürlich wieder ein literarisches Genre.
Natürlich dürft ihr mir nächsten Sonntag auch eure eigenen Geschichten ins Kommentarfeld posten. Oder auch zu den aktuellen Vorgaben hier. Ich freue mich schon auf eure Posts.