Sonntag, 13. Januar 2013

Writer's Slotmachine - Geschichte #1

Es war doch gar nicht so leicht, sich etwas zu den Möglichkeiten Italien / Spanien, Steak/ Lammsouvlaki, Architekt / Mathematikprofessor und Comedy auszudenken.   Aber es ist mir gelungen. Unten findet ihr die erste Geschichte, die die Slotmachine ausgespukt hat. Urteilt selbst und hinterlasst gerne Kommentare, wie ihr sie findet.

              

"Maaaaaammmmaaaa! Beni hat mir seinen angelutschten Finger ins Ohr gesteckt!", brüllt Mia vom ihrem Kindersitz auf dem Rücksitz. Und schon kommt ein motziges "Gar nicht wahr!" von der anderen Ecke.
So geht das schon die ganze Fahrt. Sabine atmet tief durch, dreht das Fenster ein Stück weiter runter und drückt das Gaspedal durch. Im Auto ist es brütend warm und auch der Fahrtwind bietet hier in der spanischen Tiefebene keine Kühlung. Es ist so heiß, dass sie schon seit Stunden dieselbe gerade Straße entlang fahren und nichts anderes sehen als verdorrte Sonnenblumen. Wer kommt schon auf die Idee, im August nach Spanien zu fahren? Achja, sie selbst. Aber sie hatten schließlich ein Ziel. Jens, der Vater ihrer reizenden Blagen, baut an der Costa del Sol als Architekt eine neue Ferienanlage und Sabine findet, dass ein paar Tage am Strand Ihnen gut tun wird und die Kinder so zumindest nicht vergessen, wie ihr Vater eigentlich aussieht. Jens weiß allerdings von seinem Glück noch nichts. Allerdings war es ein hartes Stück Arbeit gewesen, ihren Plan geheim zu halten, denn gestern hätte Beni sich beim Gute-Nacht-Videochat beinahe verraten.
"Maaaammmmaaaa? Wann sind wir endlich da? Ich muss mal!", dröhnt es wieder in weinerlichem Ton aus dem Kindersitz. "Mia, Schatz. Es dauert noch ein Weilchen. Aber in ein paar Kilometern kommt eine Ortschaft, da kannst du Pipi machen." 
"Ich piescher mir aber gleich in die Hose!" Ben kichert: "Hihi, Hosenpisser!" Und schon heult Mia. Sabine reißt bald der Geduldsfaden. "Schluss jetzt! Beni, hör auf, deine Schwester zu ärgern! Und Mia, wenn du noch ein bisschen durchhälst, gibt's nachher ein Eis!" 
Ganze fünf Minuten Ruhe sind ihr vergönnt, dann geht es wieder los. Beni ärgert Mia und Mia heult. Plötzlich fliegt etwas an Sabines Ohr vorbei direkt in die Windschutzscheibe. Abrupt kommt der Wagen zum Stehen, als sie auf die Bremse tritt. Mias Puppe liegt auf dem Armaturenbrett. Endlich ist es still im Auto. Die Hitze sammelt sich im Inneren. Langsam dreht sich Sabine um und schaut ihre Kinder an. "Beni war's!" "Nein, Mia war's!" Schon geht es wieder los. 
"Raus! Steigt sofort aus!" Es zischt, als Sabine diese Worte hervorstößt. Vier große Kinderaugen schauen sie nur unverständig an. Wie in Zeitlupe schnallt Sabine sich ab und steigt aus. Sie reißt die Tür zum Fond des Fiat Panda auf, schnallt Mia ab und holt sie aus dem Kindersitz. "Beni, du auch. Raus!" Völlig verblüfft steigt Beni aus. Sabine schmeißt die Autotür zu und steigt wieder auf den Fahrersitz. Unter den entsetzten Blicken ihrer Kinder lässt sie den Motor an und fährt los. Zuerst schauen die beiden Zwerge nur ungläubig, doch dann laufen sie dem Auto nach. "Maaaaaaaaaaaaaaaaammaaaaaaaaaaa!" 
Ein paar Meter weiter bremst Sabine und schaut in den Rückspiegel. Die entsetzten Gesichter ihrer Kinder sind wirklich zu gut. Sie lässt sie bis auf ein paar Zentimeter herankommen, dann gibt sie mit einem diabolischen Grinsen auf den Lippen wieder Gas. So ein paar Meter laufen schaden zumindest  dem Pummelchen Beni nicht. Keine Ahnung, wie der immer wieder an die Süßigkeiten rankommt, die ihn so fett werden lassen. Sabine kaufte schon nichts mehr. Insgeheim hatte sie ihre Schwiegermutter im Verdacht. Jens Mutter ist Griechin und ihre ganzes Leben scheint sich ums Essen zu gehen. Und am liebsten füttert sie Beni mit süßen Leckereien. Jens hält Sabine auch immer vor, dass sie sein Lieblingsgericht Lammsouvlaki nicht so hinbekam wie seine Mutter. 
All das kommt in Sabine gerade hoch.
Schwerfällig läuft Beni dem Wagen hinterher, Mia hinter sich herziehend. Und wieder hält Sabine an und wartet, bis die beiden nah genug heran kommen, um dann wieder anzufahren. Allmählich macht ihr das Spiel richtig Spaß. Beim dritten Mal bleibt sie stehen und steigt aus. Im Kofferraum liegt noch eine Flasche Wasser, die holt sie jetzt raus. Das Wasser ist brühwarm. Heißer jedoch sind die Tränen ihrer Kinder. "Mama! Bitte nicht wegfahren! Wir sind auch ganz lieb!" Beni ist ganz außer Atem und verschwitzt. Gierig trinkt er das Wasser, dass Sabine ihm hinhält. Mia kann sich gar nicht mehr beruhigen und drückt sich heulend an Sabine. Nach einem ernsten Gespräch darüber, dass es gefährlich ist, während der Fahrt mit Gegenständen zu werfen, und nachdem Sabine Mia am Straßenrand abgehalten hat, sonst wäre doch noch ein Unglück passiert, setzten sie ihren Weg durch die Wüstenlandschaft fort. Es wir diene ruhige Fahrt, denn beide Kinder schlafen erschöpft auf dem Rücksitz ein. Liebevoll betrachtet sie die beiden. Wenn sie schlafen, sind sie ja wirklich Engel.

So, und nun brauchen wir neue Themen: Nennt mir mal ein Jahrzehnt, ein Fahrzeug, ein Kleidungsstück und natürlich ein literarisches Genre.