Dienstag, 8. Januar 2013

Leselust - Die Enden der Welt von Roger Willemsen

Glaubt nicht, ich hätte so lange keine Leselust gepostet, weil es keine guten Bücher gegeben hätte. Im Gegenteil, ich habe noch keinen ganzen Stapel abzulesen.
Am liebsten gehe ich mit und in Büchern auf Reisen. Und Roger Willemsen ist in diesem Fall ein besonders interessanter Reisegefährte gewesen, denn er nimmt uns mit an "Die Enden der Welt". Der Weltenbummler, dessen Pass alleine schon Geschichten erzählen könnte, war buchstäblich an den Enden dieser Welt, in Patagonien, Gibraltar, am Nordpol und so vielen Orten, dass ich bezweifle, dass er selbst noch alle aufzählen kann. 
Einige der interessantesten Reisen hat er zwischen zwei Buchdeckeln eingefangen. Sein Stil ist traumwandlerisch sicher und die Beschreibungen tief bewegend, denn er geht dorthin, wo es weh tut. Besucht Orte und Menschen, von denen sich jeder eher fernhalten würde. Wie die aidskranke Hure in Indien, die er im Vorhof zur Hölle aufstöbert und ihre ergreifende Geschichte erzählt. Er spart nichts aus und erspart seinem Leser auch nichts, auch nicht den Tod, der sich wie ein Band durch dieses Buch gewebt hat. Seine Geschichten sind keine netten, bunten Reiseberichte von den schönsten Orten der Welt, er zeigt aber trotzdem auch die Schönheit im Hässlichen, denn so ist die Welt, an ihren Enden vielleicht einfach nur viel extremer.


Roger Willemsen:
Die Enden der Welt


Fischer Verlag
Paperback 
ISBN: 978-3-596-17988-6
10,99€ / 
Hardcover:
ISBN: 978-3-10-092104-8
22,95€
Leseprobe
Hörprobe (Roger Willemsen liest selbst)