Dienstag, 24. Juli 2012

Loch Lomond - eine Nacht im Schloss

Glasgow war fürs Erste die letzte größere Stadt, die auf unserer Reiseroute stand, denn von nun an ging es in die Highlands und an die Lochs. Und prompt begann es zu regnen. Nebelschwaden zogen wie Spinnenweben durch die Landschaft und verfingen sich in den Baumkronen. Es goss Bindfäden, aber die Landschaft am Loch Lomond war trotzdem oder gerade deshalb wunderschön. Irgendwie mystisch. 
We left Glasgow for the Highlands and the Lochs, and the rain began.
Wafts of mist wavered over the landscape and got caught in the tree tops. It poured, yet Loch Lomond was most beautiful. Mystic.

Zum Umwandern des Sees war das Wetter leider zu schlecht, trotz Regenklamotten, aber wir wurden mehr als entschädigt, denn für die Nacht hatten wir etwas ganz besonderes vor. Die SYHA besitzt am Loch nämlich die Auchendennan Lodge, ein viktorianisches Landhaus, vielmehr ein kleines Schloss. Ziemlich ausgefallen für ein Hostel. Durch den grauen Himmel und die dicken Wolken, die düstere Stimmung, wirkte das Schlösschen besonders dramatisch. Wie eines dieser Häuser aus den gruseligen Geschichte von Henry James oder den Autoren der Gothic Literature. Der Reiseführer hatte uns zudem versprochen, dass es hier spuke. Eher ein Argument für als gegen eine Übernachtung.  
The weather was too bad to wander around the loch, even with rain clothing but we were rewarded in so many ways, because we wanted to spend the night in the Auchendennan Lodge, the most spectacular youth hostel ever. It is a Victorian country house, or more a castle. Really fancy for a hostel. It appeared even more dramatic because of the grey sky and the thick clouds. Like one of the houses in Gothic Novels or Heny James' "Turning of the Screw". The Lonely Planet claimed that it is haunted. An argumente for, not against an overnight stay.

Als wir ankamen, war leider gerade über die Mittagszeit geschlossen, doch wir konnten immerhin telefonisch zwei Betten reservieren. Außer uns hatte sich noch ein Bonner Motorradfahrer her verirrt. Irgendwie mussten wir uns die Zeit bis zur Öffnung vertreiben und so wanderten meine Freundin und ich über die Wiese, die ihr im Vordegrund seht, runter an den See. Allerdings war das Gras hüfthoch und natürlich klitschnass. Am Wasser steht ein großes Hotel mit Restaurant, wo wir uns etwas trocknen und aufwärmen konnten. Allerdings guckten, die feinen Damen, die zum Panormablick ihren Tee einnahmen etwas pikiert, als ich aus meiner Regenhose stieg. Dabei hatte ich ja eine Jeans darunter. Ihr Blick stünde trotzdem im Wörterbuch als Erklärung für den Begriff "not amused". Davon ließen wir uns nicht beirren und tafelten köstlich. 

The hostel is closed between 10 am and 3pm for cleaning so we could not enter but reserve two dorm beds by telephone.

To use the time, we went for a walk to the lochside, but we choose the way over the lawn, you can see on the picture. The grass reached us up to hips and was wet. But there was a big hotel with a restaurant in the bay where we could dry us up and get warm again. 
A group of old ladies was sipping their tee in front of the panorama window and their look would be in the dictionary to illustrate the term "not amused", when I went out of my rain pants. But I must say, I was wearing jeans under them.
Nevertheless, we had a quite good lunch and dessert.

Und dann konnten wir endlich ins Hostel. Es ist sozusagen das Grand Hostel und schon der Eingangbereich ist dunkel getäfelt. Wunderschön. Wir schienen die einzigen zu sein, denn es war ganz still und ein bisschen unheimlich. Nachdem wir unsere Betten bezogen hatte, zog ich mit der Kamera los, um die Eindrücke fotografisch festzuhalten. Auf die gleiche Idee war auch der Motorradfahrer gekommen. Er stellte sich als Sebastian vor und wir zogen zu dritt durch das Haus, öffneten jede Tür, die nicht abgeschlossen war. Wir fanden eine große Halle, eine kleine Bibliothek und schließlich auch einen Bankettsaal. Das Haus ist innen noch viel größer, als es von außen aussieht. Zwischendurch musste ich immer denken, so fangen Horrorfilme an: Ein Grüppchen allein in einem Spukschloss... Wir suchten sogar nach geheimen Türen. Gefunden haben wir zwar nicht, aber ich wette, sie sind da.
Finally, we could move into the castle. With us arrived Sebastian,a German motorbike tourist from Bonn, and it seemed as if we would be the only guests. Later we strolled through the house, sneaking around every corner an trying every door.We found a great hall with a fireplace, a little library and then ahuge banquett hall. The house is definitely larger inside that it appears from the outside. 
A few people in a spooky castle...that's the beginning of many horror stories, isn't it? We even searched the walls for secret doors, but could find any. I'd bet that there are some...

Den restlichen Nachmittag verquatschten wir in der Bibliothek. So, wie man das eben so in einem feinen Landhaus macht. Fehlte nur noch der Butler, der uns Tee serviert. Draußen regnete es weiter, deshalb war Sebastian ganz froh, dass wir anboten, ihn im Auto mit zum Essen zu nehmen.  Sonst hätte er wieder in seine nassen Motorradklamotten steigen müssen.
Als wir später am Abend zurückkamen, war plötzlich Leben im Haus und unser Dorm proppenvoll. Das enttäuschte mich ja nun schon ein wenig, denn irgendwie fühlten wir uns schon wie Schlossherren für eine Nacht und wollten das nicht wirklich teilen müssen.
The rest of the afternoon went away while were were talking in the library, enjoying our very own castle. Only the butler, who served tea was missing. And it was still pouring outside. Thus, Sebastian was quite happy that we took him with us for dinner, so that he didn't have to climb back into his wet motorbike clothes.
When we returned, we had to realise that meanwhile more guests had arrived. That was dissapointing, because we already felt as the owners for own night.

Ich scherzte mit Sam, einem Mitarbeiter der Nachtschicht, ob er nicht den Kamin 
in der Bibliothek anzünden könne, dort sei es so kalt, oder zumindest den in der großen Halle. Aber er schüttelte zunächst bedauernd den Kopf. Also ließen wir uns mit einem Buch auf einem der wenigen freien Plätze in der Bibliothek nieder. Doch ich war kaum ein paar Seiten weit gekommen, da tippte mir jemand auf die Schulter. Es war Sam, der mir bedeutete mitzukommen. Er und Sebastian hatten doch ein Feuer im Kamin der großen Halle entfacht und waren gerade dabei, die großen Ledersofas näher heranzurücken.
When I asked Sam,the guy from the nightshift, to light a fire in the library or the great hall, I was joking. But when we just settled in the now crowded library with a book, Sam tipped me on the shoulder asking to me to follow him. He and Sebastian had actually lit a fire in the hall and where now pushing the leather couches nearer to it.

Hier verbrachten wir in einer kleinen Gruppe den Rest der Nacht und betrieben die schottischste aller Traditionen: Wir erzählten einander Gruselgeschichten. So erfuhren wir auch vom Hausgeist Angela und dass Sie angeblich nachts um 2 Uhr nackt über die Galerie rennt. Sam servierte uns sogar Tee und erzählte die besten Geschichten, während der Regen weiter auf das Glasdach über uns prasselte. Hier hätte ich nie mehr weg gemusst. Wir überlegten auch, ob wir nicht noch um eine Nacht verlängern sollten, doch leider war das gesamte Haus am nächsten Tag für eine Hochzeit vermietet. Zu gerne hätte ich dort Mäuschen gespielt.
Here, we spent the whole night and did the most Scottish thing possible: telling each other ghost stories by the fireside. Sam told us about Angela, who is haunting the house. I could have stayed here forever. Unfortunately we had to leave the next day, because the whole house was booked for a wedding.

Übrigens, habe ich keine Geister gesehen, aber dieses Haus hat eine besondere Ausstrahlung und die Geschichten flossen nur so aus meinem Kopf heraus. Plötzlich konnte ich sie auch erzählen. 
Nachts im Bett hatte ich dann aber doch ein mulmiges Gefühl und das Einschlafen fiel schwer. Kann aber auch daran gelegen haben, dass ich nicht gerne im Schlafsaal schlafe.
By the way, I didn't see Angela, but I could feel the special aura of the house. Stories where flooding my brain, and for the first time, I was even able to tell them. At night, in my bed, I was a bit frightened, nonetheless.

Das war wirklich ein ganz ganz besonderes Erlebnis, das ich niemals im Leben vergessen werde. Schade, dass das alles im Herbst vorbei sein soll. Denn dann wird das Hostel geschlossen und das Haus verkauft. Umso dankbarer bin ich, dass wir das noch erleben durfte.
This was a most special experience, that I will never ever forget in my life. A pity that the hostel will be closed down in autumn and then sold. So, I am even more thankful to have experienced a night in this winderful house.

Die Adresse :

Wer es noch bis Oktober an den Lochmond schafft, sollte unbedingt hier übernachten.
Who will be at Loch Lomond until October should definitely sleep here.
Auchendennan Lodge, Auchendennan, Alexandria G83 8RA, Vereinigtes Königreich

+44 1389 850226 ‎ · syha.org.uk