Donnerstag, 19. Januar 2012

Leselust: Eleganter Titel - Elegantes Buch

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So außergewöhnlich wie sein Titel ist auch dieses Buch. Ich wollte Die Eleganz des Igels schon eine halbe Ewigkeit lesen, aber es kamen so viele andere dazwischen. Aber was lange währt wird in diesem Fall tatsächlich endlich gut.
Eine Concierge, die Tolstoi liest und auch in Philosophie bewandert ist, die klassiche Musik liebt, das geht gar nicht. Meint zumindest Renée und versteckt sich hinter dem Cliché der typischen Französichen Concierge. Die Hausbewohner eines genauso clichéhaften Pariser Wohnhauses sind sowieso viel zu sehr mit sich beschäftigt, als dass es jemandem auffallen könnte. Da ist der hochnäsige Restaurantkritiker, den man schon aus Barberys Debütroman Die letzte Delikatesse kennt, und verschiedene frustrierte Ehefrauen, aber auch die kleine Paloma. Sie ist die zweite Protagonistin und führt ein Tagebuch, in dem sie profunde Gedanken über die Schönheit der Welt festhält.  Diesen jagd sie nach, auf der Suche nach dem einen Gedanken, der sie davon abhalten könnte sich an ihrem dreizehnten Geburstag umzubringen und die Wohnung ihrer Eltern in Brand zu stecken. Beide machen sich äußerst auf äußerst satirische Art und Weise Gedanken zur Welt und vor allem zur Gesellschaft. Es macht einen heiden Spaß, wie bösartig schon ein kleines Mädchen denken kann.
Doch eines Tages geschieht etwas, dass das Haus erschüttert: Der Restaurantkritiker stirbt und zum ersten mal seit 30 Jahren steht eine Wohnung zum Verkauf. Ein älterer Japanaer zieht ins Haus und sorgt bei den neugierigen Nachbarn schon im Vorfeld für Wirbel, weil er die Wohnung komplett umbauen lässt. Doch er wird besonders Renées und Palomas Welt ins Wanken bringen. Er ist es, der sofort versteht, weshalb Renées Kater Leo heißt und ein einfaches Zitat aus Anna Karenina verrät sie. Zum ersten Mal muss sie sich nicht verstellen. Und auch zu Paloma findet er Zugang. Alles scheint sich zum besseren zu wenden...
Ich habe jede Seite genossen, wie ein gutes Essen und mir jedes Kapitel eingeteilt, weil ich nicht wollte, dass es aufhört. Barbery hat mich zum Lachen gebracht, zum Nachdenken, zum Weinen. Ein herrliches Buch!