Mittwoch, 8. Juni 2011

Das Mittwochsbuch: Mein Herz so weiss...

Copyright: Heyne Verlag
... von Javier Marias ist eines der Bücher, die mir von Marcel Reich-Ranicki ans Herz gelegt wurden. Da war ich etwa in der 11. Klasse und schlug mir die Nacht um die Ohren, um das Literarische Quartett zu gucken.
Teresa und Ranz sind ein junges Paar, sehr verliebt und haben gerade erst geheiratet. Als sie von ihrer Hochzeitsreise zurückkehren, ist noch alles gut, doch dann, geht Teresa einfach ins Bad und erschießt sich. Zurück bleibt Ranz, der sich nicht erklären kann, was passiert ist. Erzähler ist allerdings Juan, Ranzs Sohn aus zweiter Ehe. Er ist Dolmetscher und spührt der Vergangenheit seines Vaters nach. Doch Marias wäre nicht Marias, wenn er eine Geschichte gradlinig und ohne Abschweifungen erzählen könnte. Seine Sätze sind eine Thomas Mann würdig, weil ebenso lang und manchmal verschlungen und er beschehrt uns die schönsten Abschweifungen.  Und genau, wegen einer dieser Abschweifungen ist es für mich so besonders, dass ich es euch als Mittwochsbuch ans Herz legen will. Liebevoll schreibt er von einer bestimmten Eigenart der Frauen: dem selbstvergessenen Singen, dem leisen Summen, wenn sich eine Frau die Haare kämmt am Frisiertisch, oder beim Äufhängen der Wäsche, "jener unbewußte Gesang, der für niemanden bestimmt ist...der nicht angestimmt wurde, um gehört zu werden...." Das englische Buch-Cover stellt das wunderschön dar.
Da ich eine Sprache studiert und einige andere gelernt habe, gefällt mir aber auch Marias Beschreibung des Dolmetscherberufs. Sprache ist ein zentrales Thema des Buches und besonders witzig ist die Szene in der Juan als Dolmetscher bei einem Gespräch "unter vier Augen" zweier Staatsmänner arbeitet und da diese sich nichts zu sagen haben, einfach Dinge erfindet, statt zu übersetzen.

Copyright: Random House UK
Heart so White by Javier Marias is one of these special books, that has grown on me. Teresa and Ranz are young, in love and just returned from their honeymoon, when Teresa stands up from the dinner table, goes to the bathroom, and shoots herself. Ranz stays behind, not able to understand why she did it.
The story is told by Juan Ranz's son from his second marriage. He is an interpreter and tries to find out more about his father's past. But Marias would not be Marias, if he would tell a story in a straight line without digressions. His sentences are worth those of Thomas Mann because they are equally long and devoured. But his digressions are one of the reasons that make this book so special to me. With a great love for words, he tells us about the unconscoius humming and singing of the women. They do it while combing their hair, babysitting their grand-children, while doing the washing... The cover of the English version shows it pretty much.
And, since I studied a language and learned a few more, I really liked Marias' description of the interpreting job. Language is an integral issue in the book and there is an especially funny scene, where Juan translates at a meeting of two statesmen, who do not even have one topic to talk about. So he starts not only to translate but also to interprete and imagine things to make the dialog more interesting.