Mittwoch, 18. Mai 2011

Das Mittwochsbuch: Jetzt wirds perfide

Copyright: Diogenes
Amélie Nothomb schreibt, wie sie auf den Covern ihrer Bücher schaut: bitterböse und tiefgründig. Und Die Kosmetik des Bösen ist wahrscheinlich eines ihrer bösesten.
An einem nicht näher bestimmten Flughafen wartet der Geschäftsmann Jérôme Angust auf seinen Flieger, da wanzt sich ein recht unangenehmer Zeitgenosse an ihn heran. Er nennt sich Textor Texel und will Jérôme unbedingt sein Leben erzählen und jeder Versuch von Jérômes Seite ihn loszuwerden schlägt fehl. Textor, der äußerlich schon hässlich ist, offenbart ihm seine noch hässlichere Seele. Und es wird immer klarer, dass beide etwas gemeinsam haben. Beide haben etwas schreckliches getan, doch während Textor stolz ist auf seine Tat, möchte Jérôme sein Geheimnis für sich behalten. Während Textor erzählt und der Leser den Gedanken Jérômes folgt, kippt die Stimmung. Irgendetwas stimmt nicht. Die beiden Protagonisten werden sich immer ähnlicher...
Das Buch ist nicht besonders dick, aber die Handlung hat es sozusagen hinter den Ohren. Die Dialoge sind unvergleichlich toll. Die Geschichte beginnt harmlos und nahezu im Plauderton, aber ich wurde sofort tief hineingesogen und war fasziniert davon, wie Nothomb es schafft ein so dichtes Netz um ihre Figuren zu spinnen, dass keiner entkommt und der Leser am Ende eiskalt von der Lösung erwischt wird. 
In jedem von uns steckt etwas Böses, es kommt nur darauf an, wie gut wir es übertünchen und verstecken können.