Mittwoch, 11. Mai 2011

Das Mittwochsbuch: Erotisch aber nicht schlüpfrig...

Copyright: Fischer Verlag
... ist das heutige Buch, denn es ist ein absoluter Klassiker und ich unerreicht.  
Das Delta der Venus ist eine Sammlung verschiedener erotischer Geschichten, die Nin in den 1940er Jahren geschrieben hat, als sie mit Henry Miller in Paris lebte. Freigegeben hat sie sie allerdings erst viele Jahre später, kurz vor ihrem Tod. Und wahrscheinlich wäre es diesem Buch bei einer früheren Veröffentlichung wie Henry Millers Werken ergangen, denn die 15 Geschichten behandeln so ziemlich jede Spielart der Sexualität, die man sich vorstellen kann und sind vom Inhalt her teilweise auch etwas verstörend. Im krassen Gegensatz stehen für mich die wirklich heftige Handlung und die unglaublich lyrische Sprache in der die Episoden geschrieben sind. Da fließen zwar die Körpersäfte, aber es schmatzt nicht. Teilweise ist es, als lese man ein Gedicht.
Die Figuren drücken sich im Bois de Bologne herum auf der Suche nach Gesellschaft, stecken in dunklen, verrauchten Bars nicht nur die Köpfe zusammen und geben sich einfach vollständig der Erfüllung ihrer Sehnsüchte hin, ohne Rücksicht auf Verluste, mögliche bestehende Partnerschaften, oder auch Verwandschaftsverhältnisse. Wirklich irritierend war aber die Episode, in der ein Mann ein junges Mädchen tot aus dem Wasser birgt und so sehr von ihr angetan ist, dass er sich an ihr vergeht.
Aber alle anderen sind wohl das erotischste, was jemals auf dem Markt erschienen ist. Und wer mich kennt, weiß, dass ich den Markt eingehend analysiert habe.