Donnerstag, 31. März 2011

Niemals geht man so ganz...

 "Und da sie in Eintracht die Jahre verbracht hätten, solle dieselbe Stunde sie fort nehmen damit keiner des anderen Grab sehen müsse. Diese Bitte wurde ihnen erfüllt. Nach einer Reihe von Jahren, als ihre Zeit gekommen war, sahen zugleich Philemon und Baucis wie sich ihre Körper mit grünen Blättern und Zweigen umkleideten. Als über ihre Gesichter schon die Wipfel der Bäume wuchsen, sprachen sie noch miteinander solange es ihnen vergönnt war und sagten sich Lebewohl. Danach verhüllten sie Zweige und Laub. 
Heute noch stehen Stamm neben Stamm sich nah' - aus den beiden Körpern gewachsen." (Ovid: Metamorphosen, 8, 611-724)
Dieses Zitat geht mir in diesen Tagen des öfteren durch den Kopf. Denn ist es nicht schön, wenn man zusammen mit dem geliebten Menschen abtreten darf? Für die Angehörigen ist es mit Sicherheit schrecklich, aber die Liebenden haben das Glück, dass keiner von beiden zurückbleiben und am Grab des anderen weinen muss.
Vor einigen Wochen wurden bei einem schrecklichen Unfall ein Bekannter und seine Frau aus dem Leben gerissen, zusammen mit zwei weiteren Menschen. Und bei all dem Entsetzen darüber und der Trauer, kam mir doch immer wieder dieser Gedanke, und dann entdeckte ich in Planten un Blomen doch tatsächlich dieses Baumpaar, zusammengewachsen aus einem Stamm aber zwei mächtige Kronen. :-)