Samstag, 23. Oktober 2010

Praise the Lord - Die Westminster Abbey mal ganz anders

Ich stehe noch immer unter dem tiefen Eindruck eines ganz besonderen Erlebnisses: dem Evensong in der Westminster Abbey.
Dank des Tube Streiks waren wir schon spät drann und eilten etwas atmenlos an dem Herrn im roten Mantel vorbei. Dieser ließ und passieren, weil wir zum Gottesdienst wollten. Die Eintritt zahlenden Schaulustigen mussten zuvor die Abbey verlassen. Relativ energisch wurden wir auch gleich in den hinteren Teil geleitet und angewiesen uns in die erste Reihe zu setzen. (Wie im Restaurant gilt auch hier "Please wait to be seated.")
Als ich mich umsah, war ich einfach nur beeindruckt.Wir atmeten Geschichte. So viele königliche Hochzeiten, Krönungen, der Trauergottesdienst für Prinzessin Diana hatten hier stattgefunden. Und dann begann der Gottesdienst. Netterweise lag auf den Plätzen ein Ablaufplan, sodass wir auch wussten, was zu tun war, als der Chor einzog und im weiteren Verlauf. Zum Glück mussten wir uns aber nicht hinknien, das mussten nur die tun, die in den Bänken saßen.
Der Chor der Lay Vicars fing schon am West Tor an zu singen. Der Klang der Männerstimmen schwoll so ganz langsam an und war so schön, dass ich eine Gänsehaut bekam. Englische Kirchenmusik ist auch melancholisch, aber gleichzeitig auch viel hoffnungsvoller und lyrischer. Vielleicht liegt es ja auch an der Sprache, dass die Lieder viel schöner klangen als die depressiven Lieder, die ich aus meiner Kindheit kannte. "Erbaulich" ist genau die richtige Beschreibung. Hier wird wirklich Gott verehrt.
Als nicht praktizierende Katholikin mit Kinderkirchengrundausbildung muss ich sagen, dass das Zeremoniell der Anglikanischen Kirche noch krasser ritualisiert als ich es bisher kannte. Es waren mindesten 4 Pfarrer - darunter eine Frau -anwesend, wobei nur der Dean (Dekan) den Gottesdienst hielt. Der stand aber nicht vor dem Altar, sondern auf einem besonderen Platz bei uns im Chorgestühl. Zum Altar beteten wir nur einmal, ansonsten guckten man nicht einmal hin. Und als die Vikarin ( ich hoffe, die Bezeichnung stimmt) zur Kanzel ging, schritt ihr eine Art Zeremonienmeister mit einem Stab vorran. Das sah ein bisschen aus, als Teile er die Menge vor ihr. Richtig stutzig machte mich aber das Glaubensbekenntnis. Denn dort wurde auf die katholische Kirche geschworen. Da muss ich im Studium irgendwo krank gewesen sein.
Auf jeden Fall war es ein ganz besonderes Erlebnis, das mit Sicherheit nicht viele aus London mitnehmen können. 
Schade fand ich, dass wir nur im Vorbeigehen ein paar der berühmten Grabmähler sehen konnten, weil die Aufsichten echt aufpassen, dass man nicht zu lange verweilt. Schließlich zahlt man ja auch keinen Eintritt und ist zum Beten da. Immerhin haben wir Drydens Grab und das von Churchill gesehen. Elisabeth I. und Shakespeare heben wir uns dann fürs nächste mal auf.

Hier könnt ihr nachempfinden, wie wir uns geführt haben, als der Chor einzog. Ich habe mich allerdings nicht getraut zu filmen. Doch man findet ja alles auf youtube. Danke an den Kameramann.

Samstag, 16. Oktober 2010

Kulturschock in der Brick Lane

1. Tag in London, die Zweite:

... Noch müde vom Hardcore Shoppen machte sich abends unser Magen bemerkbar. Und da wir beide ganz gerne indisch essen, ließen wir uns im Hotel den Weg zur Brick Lane beschreiben und auch ein paar Restaurants empfehlen. Vom Apex aus war es auch nur eine viertel Stunde zu Fuß. :o)
Allerdings wurde ich stark an den Pigalle in Paris erinnert. Dort stehen immer diese Kerle vor den Türen der Etablissements und versuchen Kundschaft einzufangen. Teilweise zerren die einem richtig am Ärmel. In London ist das die Aufgabe der Kellner. Und da in fast jedem Haus der Brick Lane ein Rastaurant ist, wurde das stressig. Denn überall rief man uns zu doch einen Blick auf die Karte zu werfen und versuchte uns hinein zu locken. Aber wir waren ja eigentlich nur auf der Suche nach den uns empfohlenen Läden. Naja, der erste war ziemlich düster, der zweite geschlossen. Also ließen wir uns dann doch locken, denn als wir noch unentschlossen vor der Karte des Nachbarinders standen, sprang auch gleich wieder einer auf uns. Ob wir gerne Bier oder Wein tränken. Tja, und als er uns eine Gratisflasche Wein versprach, war die Entscheidung gefallen. Freier Alkohol, da sind wir doch immer dabei!
Das Essen war aber auch echt lecker! Lamm mit warmem Naan Brot ist wirklich ganz großes Kino.
Satt und müde schwankten wir nach einem letzten Abstecher auf die Tower Bridge dann endlich in unser weiches Hotelbett und waren sehr sehr schnell weggeratzt ... zzzzzzzzzzzzzzz

Freitag, 15. Oktober 2010

Zwei Mädels reisen nach Oz

Die letzten zwei Wochen sind vergangen wie im Fluge. Mir schwirrt der Kopf und das Herz läuft mir über. Und das habe ich einer sehr guten Freundin zu verdanken, die mir einen Trip nach London zum Geburtstag geschenkt hat. Da wir so viel erlebt haben, werde ich mal nach und nach alles berichten.

London Tag 1:
Zusammen starteten wir enorm früh zum Flughafen und waren um 9 Uhr GMT schon in Heathrow. Endlich wieder britischer Boden! Und unser Hotelzimmer war erstaunlicherweise auch schon frei. Kann ich nur empfehlen The Apex City of London, direkt beim Tower.
Nachdem wir uns kurz erfrischt hatten, zogen wir direkt los, denn unser Ziel hieß Camden Markets. Wir hatten ja keine Ahnung was uns dort erwartet und als wir dann dort ankamen, war es als seien wir durch einen Spiegel gestiegen und in der Winkelgasse wieder rausgekommen! So viele Stände, kleine Läden, Malls... Zu Anfang dachten wir, dass das nur dieser eine Platz sei, der aus kleinen Klamottenständen bestand, die aneinandergereit die coolsten Kleider verkaufen. Allerdings sollte man sich hüten, zu interessiert auszusehen, denn guckt man etwas nur ein paar Sekunden an, wird man sofort von den Verkäufern verhaftet und muss alles mögliche anprobieren. Ich blieb bei einer jungen Designerin hängen, die wirklich hübsche Kleider und Röcke schneidert. Mit geübten Griffen hatte sie mir ruck zuck ein Kleid übergestreift und erläuterte mir dann, dass sie auch die Größen umbenannt habe. L und XL sind bei ihr "healthy" und "extremely healthy". Da macht es doch gleich mehr Spaß einzukaufen. Aber leider waren ihre Sachen nicht in meinem Budget.
Die Main Street entlang waren noch ganz viele Läden und irgendwie landeten wir in diesem Schuhgeschäft, wo sich der indische Verkäufer gleich auf meine Freundin stürzte. Sie gefiehl ihm wohl, denn er legte sich unglaublich ins Zeug, kniete gleich neben ihr, half ihr die Stiefel, machte ihr Komplimente. Wenn sie sich nicht gewehrt hätte, hätte er sie wohl auch abgeknutscht. Aber sie ist auch eine knallharte Einkäuferin und schlug  gleich mal nen ordentlichen Rabatt raus. Dazu gabs dann auch noch seine Telefonnummer. Unfassbar wie needy jemand sein kann...
Entgültig im Wunderland waren wir, nachdem wir vom Camden Lock Village zum Camden Stables Markets wechselten. Eine Minimall an der anderen und dort gibt es alles: Klamotten, Taschen, Möbel, Essen aus aller Herren Länder... Da sind auf kleinstem Raum Tausende von ausgefallenen Schätzen versammelt. Und hier ist auch die Schaltzentrale der 50er Jahre Retro-Kleider. Zum Niederknien schön!

Stundenlang stolperten wir durch die Gänge, mit glänzenden Augen und offenen Mündern. Auch die Architektur ist besonders. Pferdeskulpturen, Roboter, Indianer, Pavillions...als wären wir in den Kulissen eines riesigen Theaters gelandet. Bei einem Straßenhändler erstand ich auch mein persönliches Geburtstagsgeschenk: einen petrolfarbenen Mantel. Bei uns gibts ja nur schwarz, grau oder lila, aber dieser Mantel bringt endlich Farbe in den grauen Hamburger Herbst. Meine Freundin hatte bis dahin bereits Tüte um Tüte gesammelt und brauchte schon eine Tasche, um das alles zu verstauen. Aber wir waren beide seelig. Unser persönliches Shoppingparadies haben wir eindeutig gefunden.
Eines muss man allerdings sagen: Entweder man geht ganz ohne Geld hin, oder man nimmt sehr viel davon mit. Die Preise sind absolut moderat, aber man findet einfach so viele wunderschöne Sachen! Männliche begleiter setzt man am besten in irgendeinem Kaffe ab, oder schickt sie in den Apple Store in Covent Garden, denn ich bezweifle, dass die solches Hardcore Shoppen durchstehen ;-)

Hier noch ein Tipp zum Weiterlesen: http://www.camdenlock.net/markets.html