Samstag, 25. Juli 2009

Von eitlen Pfauen und Zotteltieren

Nachdem ich mir eines Samstags eine Ganzkörpermassage im örtlichen Wellnesstempel, der Dünentherme gegönnt hatte, weil die Massagen in der Klinik doch relativ brutal ausfielen, traf ich mich mit meiner Kur-Mama Marion (eine Kellnerin hielt mich für die Tochter meiner beiden Begleiter und seitdem war Marion meine Kurmama) am Westküstenpark, einem Zoo, der allerhand interessante Tiere beherbergt. Kur-Papa Dirk wollte nicht mit.
Über eine kleine Brücke gelangt man vorbei an wahnsinnig hässlichen Pelikanen, die aussehen als hätten sie einen Fleischanzug an, aufs Zoogelände. Die erste Station war gleich die Seehundstation, allerdings waren die Viecher nicht so recht gewillt sich von uns fotografieren zu lassen und tauchten immer just in dem Moment wieder ab, wenn ich den Auslöser drückte. Aber klar, es gab ja auch kein Futter, wieso sollten sie sich da auch freiwillig zeigen. Ein paar Schnappschüsse bekam ich aber dann doch., indem ich einfach gnadenlos und ohne zu ziehlen draufhielt.
Ein Stück weiter, auf einer Wiese grasten merkwürdige Tiere. Sie sahen aus wie Esel, aber wie Esel, die mit Samson aus der Sesamstraße gekreuzt worden waren. Sie hatten ein ganz langes zotteliges Fell, und dann sah ich das Schild: Zotteltiere. So sehen also Zotteltiere aus. Eindeutig meine neuen Lieblingstiere. Am Ende des Rundgangs bewiesen sie dann auch noch, dass sie gar nicht so behäbig sind, wie sie aussehen, als zwei Jungtiere sich einen kleinen Kampf lieferten.




Der Zoo hat so viele verschiedene Tierarten, dass wir aus dem Staunen gar nicht mehr herauskamen. Auf dem Zaun eines Geheges saß dann auch nach ganz unvermittelt ein riesiger Pfau in der Sonne. Er ließ uns ganz nah an sich heran und stolzierte auf dem Zaun hin und her in seinem Federkleid, das auch Dior nicht so hätte designen können. Ganz eitel setzte er sich fürs Foto in Pose um dann, vom Zaun zu hüpfen und seine Federn wie eine Schleppe hinter sich herziehend davon zu stolzieren. Er war so nah, dass er mir fast auf die Füße trat.






Allein um so etwas schönes zu sehen, hat sich die ganze Reise schon gelohnt.
Lustig fand ich auch die Lamas. Das ist eine Art, die ein ganz besonders schickes Pony haben und irgendwie sehr gechillt aussehen. Guckt euch mal die Lamadame an, Bruce hatte an ihrem Walk seine helle Freude gehabt.
















Hier noch ein paar Impressionen:





Donnerstag, 2. Juli 2009

Mit viel Mööööööööhe zum Jever Leuchtturm

Da ich an dem Donnerstag vor Pfingsten angereist bin, habe ich das erstaunliche Glück ab Samstag Mittag keinerlei Therapien mehr besuchen zu müssen und habe also bis Montag frei. So gefällt mir das. Sonntag miete ich mir ein Fahrrad für 14 Tage und Düse los. Bis zum Leuchtturm nach Westerheever, dem aus der Jever-Werbung, sind es 17 Kilometer gerade Strecke immer am Deich entlang. Da ich ja gerne auf dem Rad ein bissl heize, habe ich mir auch kein popeliges 3-Gang Rad gemietet, sondern ein tolles Trekkingbike mit 24 Gängen. Trekking bedeutet allerdings auch Fahrrad pur, also kein Gepäckträger, keine Lampe. Aber das kann man verschmerzen, dafür komme ich den Deich in einem Rutsch hoch, wo andere schieben. Das gilt vor allem aber auch bei Gegenwind.
Die Strecke ist toll. Als ich aus Ording raus bin, fahre ich direkt am Deich und werde begleitet von hunderten von Schafen, die mir entgegenzublöken scheinen, "Bist du doof! Bei der Hitze so viel Bewegung?". Es ist in der Tat sehr warm, aber da immer ein leichter Wind geht, fühle ich mich trotzdem super. Fröhlich blöke ich zurück und kurve um die Schafsköttel herum, die überall auf dem Weg liegen. Hunde sind übrigens an der Leine zu halten und ihre Haufen hat man zu beseitigen, aber an den Gattern, die immer wieder den Weg versperren, steht, dass man die freilaufenden Schafe und ihre Hinterlassenschaften in Kauf nehmen muss, wenn man diesen Weg fährt. An einem Aussichtspunkt auf dem Deich, treffe ich doch tatsächlich Mopple the Whale (Wer den Schafskrimi gelesen hat, weiß wen ich meine). Die Mutterschafe tun mir ein bisschen leid bei der Hitze, denn so kurz vor der Schur tragen die ein ganz schön dickes Fell. Den Lämmern scheint es aber zu gefallen, denn sie kuscheln sich ganz fest bei ihren Müttern ein, wenn sie nicht gerade keck Scheinangriffe gegen Touristen führen. Bevor ich aber eins streicheln kann, rennen sie immer wieder weg. Schade, denn die sind wirklich süß.
Es sind aber auch viele Leute unterwegs und an jedem Gatter trifft man sie wieder und wechselt sich mit dem Aufhalten der Türen ab. Aber auf der Strecke passiert wieder das gleiche wie am Strand, man wird von der Entfernung frustriert. Ich kann den Leuchtturm ab Ording zwar sehen, aber größer wird er irgendwie nicht. Und dann wäre ich beinahe an ihm vorbei gefahren, weil der Deich so hoch war, dass er nicht mehr drüberguckte. Nach nochmal etwa einem Kilometer über die Salzwiesen stand ich dann davor. Ganz schön hoch. Eine Eintrittskarte hätte ich schon ganz vorne am Parkplatz kaufen müssen, also begnüge ich mich damit mir das kleine Wattmuseum anzusehen, das die Studenten, die ein ganzen Jahr hier verbringen, eingerichtet haben. Muss toll sein, hier draußen zu wohnen bei Wind und Wetter und sich um den Erhalt der Landschaft zu kümmern. Vielleicht hätte ich Meeresbiologie studieren sollen? Seit ein paar Jahren kann man im Leuchtturm sogar heiraten.
Da es wirklich sehr warm ist und die Strecke für mich doch recht weit, spüre ich inzwischen wie meine Akkus leer laufen. Das mitgebrachte Wasser habe ich schon seit geraumer Zeit leer gemacht, aber es gibt Rettung: Ausgehungert wie ein Wolf falle ich bei Captain Curry, einer Imbissbude am Parkplatz vom Leuchtturm ein und verschlinge ohne schlechtes Gewissen einen Lammburger. Dabei schaue ich den Schafen auf der Weide zu. Ein bisschen pervers komme ich mir dabei allerdings schon vor. Aber es schmeckt so gut!
Ich decke mich noch mit Wasser ein und mache mich dann auf den Rückweg. Erst jetzt merke ich, wie untrainiert ich eigentlich bin, denn jeder Kilometer zurück wird anstrengender, auch weil mir trotz Basecap die Sonne mächtig aufs Hirn brennt und der Wind plötzlich abgeflacht ist. Und kein Schatten, kein Baum in Sicht. Auf der Hinfahrt habe ich aber kurz vor Ording ein paar Vogelbeobachtungshütten gesehen. Bis dahin schaffe ich es gerade noch. Zum Glück ist die erste gleich unbesetzt und dreißt lege ich mich erst einmal ein bisschen auf eine der Bänke und döse. Dort findet mich dann eine Mitpatientin aus der Klinik, die lustigerweise aus Ingelheim kommt, und zusammen radeln wir das letzte Stück zurück.
Das war der erste wirklich schöne Tag der Kur, aber eben weil ich machen konnte, was ich wollte. Das hatte schon ein bisschen was von Urlaub. Abends ist an der Strandprommenade Pfingsfest. Ich schließe mich einfach einer Gruppe von Damen an, die auch aus Hessen kommen und zum Fest wollen. Als wir so über den Deich spazieren, tippt mir eine von ihnen plötzlich auf den Rücke und meint, "Was hast du denn da gemacht?" Und in dem Moment, wo ihr Finger meinen Rücken berührt merke ich, was sie meint: Sonnenbrand! Ich war zwar überall eingecremt gewesen, hatte aber den neckischen kleinen Rückenausschnitt an meinem T-Shirt vergessen. Und so bildete sich ein lustiger tränenförmiger roter Fleck auf meinem Rücken, der bis heute noch nicht richtig weg ist, auch wenn die Verbrennung gar nicht so doll war.