Sonntag, 22. Februar 2009

Ins Nirvana gestrickt?

Die große Klausur, vor der ich so große Angst hatte ist nun schon wieder vorbei und ich habe endlich mal wieder Zeit hier etwas zu schreiben. Schon komisch, da fiebert man monatelang darauf hin und dann ist es einfach vorbei und man steht vor dem Raum und kann sich an die letzten Stunden kaum erinnern. Meine Angst war so groß, dass ich endlich wirklich jeden Tag Yoga gemacht habe um mich zu beruhigen und zu fokussieren, aber ich habe noch etwas anderes wiederentdeckt: das Stricken. Ja, ihr lest richtig. Die lavafee strickt! Aus irgendeinem Grund ging ich vor ein paar Wochen in einen Laden und kaufte mir Stricknadeln und Wolle und mühte mich damit ab mich daran zu erinnern, was man damit eigentlich macht. Dank Youtube lernte ich dann auch wie man den Anfang strickt und erinnerte mich an Rechte Maschen. So saß ich nach dem Lernen, wenn einfach nichts mehr in meinen Kopf passte, da und strickte Reihe um Reihe an einem Schal. Der war sehr schnell fertig, denn es machte Spaß. Inzwischen bin ich bei meinem dritten und vierten Schal, denn mittlerweile kann ich dank einer guten Freundin auch Linke Maschen, was mich zum Stricken von Mustern befähigt. Und jetzt bestricke ich natürlich erst einmal alle um mich herum. Manche gucken mich an als sei ich nun verrückt geworden, aber ich glaube, das Stricken hat mir in dieser Zeit einfach auch geholfen nicht heulend zusammen zu brechen, denn es ist eine der meditativsten Tätigkeiten, die man machen kann. Irgendwann erreiche ich jedesmal so einen Punkt der inneren Leere, einer positiven Leere, und des Friedens. Als hätte ich alle meine Ängste und Sorgen in jeder einzelnen, also hunderten Maschen einfach verstrickt. Kann man sich also in eine Art Nirvana stricken? Ist das Fädeln der Maschen von der linken auf die rechte Seite etwas ähnliches wie das Beten eines Rosenkranzes oder das Beten mit Malaperlen, die man einzeln durch die Finger gleiten lässt? Ich glaube ehrlich gesagt ja.
Für mich war es aber auch noch etwas anderes: Durch das Stricken, das mir meine geliebte Oma noch beigebracht hat, bevor sie leider viel zu früh verstarb, konnte ich ein gewisses Gefühl der Geborgenheit wiedererstehen lassen. Die Abende an den Wochenenden, wenn wir in ihrem Wohnzimmer saßen, sie strickte und ich versuchte es, oder häkelte und dabei lief "Wetten daß...?" oder eine andere große Samstagabendshow. Das war Sicherheit. Nichts konnte uns etwas anhaben. Insofern ist jeder fertige Schal ein kleiner Tribut an meine Oma. Ihr könnt mich ruhig sentimental nennen. Sie konnte meinem kleinen Bruder nichts mehr stricken, aber dadurch, dass sie es mir gezeigt hat, trägt der kleine Kerl heute einen petrolfarbenen Schal, in dem die Liebe seiner großen Schwester und die seiner Oma, die er nie kennenlernen wird, stecken...und zwar in jeder einzelnen Masche.