Samstag, 20. Juni 2009

Wi wisch ju ä pläsänt Schörnei

Tjaja, das Englisch in der Deutschen Bahn. Diesen Satz hörte ich auf der Fahrt von Wiesbaden nach Hamburg an jedem Bahnhof. Aber es war eine gute Reise, die allerdings schon um 5.00 Uhr morgens begann. Das Wetter war so trübe wie meine Stimmung, aber als wir in Hamburg einfuhren riss plötzlich der Himmel auf und meine Lieblingsstadt begrüßte mich mit strahlendem Sonnenschein. Am liebsten wäre ich gleich dort geblieben, aber Altona war ja nur mein Umsteigebahnhof. Ab hier gings weiter mit der Nord-Ostsee-Bahn und in Husum musste ich auch nochmal umsteigen. Die Fahrt von Hamburg nach St. Peter-Ording dauerte so genauso lang wie die von Wiesbaden nach Hamburg. Dafür gab es eine nette Rundfahrt über die Halbinsel Eiderstedt mit Halt an jedem Schaf.
Nach gefühlten 12 Stunden kam ich ziemlich platt in der Kurklinik an. Hier wurde mir dann schlagartig bewusst, dass ich vielleicht doch zu jung für eine derartige Kur bin, denn in der Lobby saßen lauter alte Leute in Trainingsanzügen herum, einige sogar mit Sauerstoffflasche. Als die Schwester mich zu meinem Zimmer brachte sank mir aber erst richtig das Herz. Ein trostloses Zimmer, dem ich jederzeit miese französische Hotelzimmer vorziehen wurde - die haben wenigstens Charme - das seelenloser nicht hätte sein können. Dafür gab es einen Balkon, also einen, der an allen Zimmern vorbeiführt, so dass jeder jederzeit allen ins Zimmer gucken kann. Der Meerblick entschädigte ein wenig, aber als ich so auf meinem Bett saß und mich umschaute, hätte ich ein am liebsten geheult. Hierfür hatte ich also ein halbes Jahr lang gekämpft. Nach einem Schockmoment, riss mich mich dann aber zusammen. Erst mal alles angucken und dann weitersehen. Als erstes stand ja noch die Aufnahmeuntersuchung beim Stationsarzt an. Der fragte allerhand guckte mal über meine Haut und dann besprachen wir welche Therapien ich die nächsten drei Wochen bekommen würde. Da es hier sonst garantiert langweilig wäre, ließ ich mir so ziemlich alles an Sport verschreiben was es gab. Das würde ich allerdings später noch bereuen.
Danach flüchtete ich erst mal nach draußen. Auf dem Deich umwehte mich sofort der herrliche Wind der Nordsee und blies mir den Kopf freier. Das Meer erreichte ich an diesem Tag allerdings nicht mehr, denn die Nordsee hat leider die Angewohnheit bei Ebbe sehr weit weg zu laufen und davor sind auch noch die Salzwiesen. Man muss schon eine ganze Ecke laufen, bevor man die Füße endlich ins Meer stecken kann. Da es hier sehr früh Abendessen gibt, klappte das leider nicht mehr. Ich war auch viel zu müde.
Beim Abendessen lernte ich endlich auch einige Mitpatienten kennen. Eine ziemlich überdrehte Berlinerin, der man den übermäßigen Zigaretten- und Alkoholkonsum schon ansah und sogar ein Mädel in meinem Alter, allerdings sprach sie nicht, sondern schlang ihr Essen runter und verschwand wieder. Der letzte Platz blieb leer. Zu essen gab es, wie jeden Morgen und Abend, Brot. Und es war eigentlich noch Nachmittag, 17.30. Dementsprechend saß ich später auf meinem Zimmer und hatte wieder Hunger. Motzig ging ich ins Bett. Sollte ja morgens nüchtern zur Blutabnahme erscheinen. Nüchterner ging schon nicht mehr.