Mittwoch, 24. Juni 2009

Nachdem ich richtig angekommen bin,...

...beginnt die Kur mit einer Blutabnahme. Mache der Schwester gleich mal Angst, denn eigentlich darf das ja nur meine Mami. Aber sie lässt sich gar nicht aus der Ruhe bringen und zapft auch ganz toll. Habe hinterher zumindest nicht so riesige blaue Flecken wie einige andere. Anschließend schlurfe ich erst mal in den Speisesaal zum Frühstücken. Das Mädel aus Marburg, die einzige in meinem Alter, würdigt mich heute sogar eins "Guten Morgen"s. Sonst spricht sie aber immernoch nicht und schlingt wieder nur ihr Essen runter um dann ganz schnell zu verschwinden. Mein Therapieplan, die Bibel, für den jeden Morgen und Abend Änderungen an der Rezeption liegen können, weshalb jeder völlig panisch immer nachgucken geht, zeigt nicht so viel. Noch zur Bestrahlung und zum EKG. Meine erste Anwendung dauert gerade mal 15 Sekunden, denn länger dauert die UVAB-Bestrahlung fürs erste gar nicht. Sieht ein bisschen aus, als solle man gebeamt werden, ist aber heißer. Und man ist völlig nackig. Ob das streifenfreie Bräune verspricht? Der Rest des Tages geht für langweilige Vorträge drauf. 9 Stunden Asthmaschulung sollen das insgesamt werden! Danach hat man dann einen Doktor in Asthma oder wie? Vor allem, weil die da nichts wirklich neues erzählen. Also nur den Leuten, die es noch nicht ihr Leben lang haben.
Sobald das vorbei ist, verlasse ich schnurstracks wieder die Klinik und gehe wandern. Über einen langen Holzsteg komme ich endlich ans Meer. Der Wind heult und ich patsche glücklich wie ein kleines Kind durchs Wasser, das sogar erstaunlich warm ist. Herrlich! Wind und Wasser sind einfach meine Elemente. Am liebsten würde ich mich einfach auf den Hosenboden fallen lassen und hier bleiben. 3 Wochen im Zelt am Strand, so ließe es sich leben.
An diesem Tage laufe ich über 20km, denn hier oben geht einem wahnsinnig schnell der Sinn für Entfernungen verloren. Man denkt immer, ach da vorne ist es doch gleich, ich sehe es ja schon, aber dann ist man ganz flux mal 6 Kilometer gelaufen. Aber ich wollte ja lange Strandspaziergänge machen. Da ich zu Hause ja relativ viel rumsitze, tun mir abends die Beine so höllisch weh, dass ich kaum noch auftreten kann, aber ich bin glücklich. Das Meer entschädigt mich für alles, was in dieser Kur noch kommen mag.
St. Peter-Ording ist auch der Ort, an dem eine meiner Kindheits-Lieblingsserien gedreht wurde: Gegen den Wind. Aber als ich am Ordinger Strand ankomme, sieht es da schon lange nicht mehr so aus. Inzwischen scheint auch kaum noch jemand Winsurfen zu mögen, stattdessen sieht man lauter Kitesurfer, was, finde ich, ein viel größeres Spektakel ist, denn die ganzen Gleitschirme am Himmel sehen einfach toll aus. Ich frage mich nur, wie die das schaffen, sich nicht in einander zu verheddern. Leicht scheint dieser Sport auch nicht zu sein, denn vom Strand aus beobachte ich wie zwei Lehrer einen Jungen aufs Brett hieven. Einer hält ihn fest, sonst würde er wahrscheinlich nach Schweden fliegen und einer schnallt ihm das Brett unter. Ich hätte zu viel Angst abzuheben und irgendwo in der Nordsee zu landen. Aber toll sieht's aus.