Samstag, 10. Januar 2009

Verlorene Illusionen

Gerade surfte ich durch die weite Welt der Blogs und entdeckte "Generacion Y" , geschrieben von der Kubanerin Yoani Sánchez. Sie beschreibt den Alltag der Menschen auf Kuba und da sie dabei äußerst ehrlich ist, ist der Zugang natürlich von Kuba aus verboten. Aber im Rest der Welt kann man lesen, wie es dort zugeht. Und wie ich da ein wenig las, musste ich darüber nachdenken, dass man überall auf der Welt diese tollen T-Shirts mit Ché Guevaras Konterfei kaufen kann. Naturgemäß werden sie vor allem von Jugendlichen und Leuten Anfang 20 getragen, die gerade ihre politische Seite entdecken. Bei vielen geht es hier vor allem darum zu rebellieren, gegen die Eltern, Großeltern und das Establishment. Ich trug mit 16 mit Stolz mein Palästinensertuch, allerdings hatte ich keine Ahnung, was die Aussage ist. Mir ging es darum, dass mein Großvater sich so schön darüber aufregte. Auch für mich war Ché ein Held, weil er als Revolutionär gilt, der für seine Ideale gekämpft hat und für eine bessere Welt. Doch als ich seine Biographie gelesen hatte, war ich doch einigermaßen ernüchtert. Natürlich wollte er die Welt verbessern und an den Zuständen auf Kuba etwas ändern, doch inzwischen ist mir klar, dass er es mit den falschen Mitteln getan hat. Mit Gewalt. Und letzendlich eigentlich gar nichts erreicht hat. Kuba ist nicht frei. Eigentlich ist es sogar noch schlimmer dran, als die zerfallene DDR. Lebensmittelkarten sind nötig und es gibt zumindest für die Kubaner selbst, so gut wie nichts, weshalb so viele die Insel verlassen wollen, was ihnen nicht möglich ist, es sei denn durch eine Lebensgefährliche Flucht übers Meer. Im Prinzip überlebt die Dikatur nur, weil Kuba in einer warmen Klimazone liegt. Müssten die Menschen in Armut leben und erfrieren, hätte es mit Sicherheit keinen Nachfolger für Fidel Castro gegeben. Wo sind die Verbesserungen, die Che und Castro erreichen wollten? Letztendlich ist auch Fidel Castro nur ein Tyrann, der seinem Volk, dem er doch die Freiheit bringen wollte, eben diese genommen hat, es wie Kinder behandelt, die sich nicht selbstbestimmen können, und ich finde, er hat die Ideale verraten, die ihn und Che leiteten. Das kubanische Volk hat heute ganz andere Vorstellungen, wie es mit dem Land weitergehen soll. Es will sich frei bewegen können und die Chance auf Wohlstand zu haben. Stattdessen dürfen, die die in den Hotels arbeiten, in denen die reichen Touristen wohnen, zusehen, dass diese in Luxus leben. Eine Freundin erzählte, dass vor den Hotels Menschen stehen und nicht etwa um Geld betteln, denn das ist für sie wertlos - wo sollten sie es auch ausgeben? - nein, sie bitten die Touristen um Kleidung, Shampoo, Hautcremes, all das, was sie eben nicht erwerben können. Ist das nicht traurig?
Nein, Che Guevara ist in meinen Augen kein Held mehr, sondern ein Mann, der durch die Wahl der falschen Mittel genau das Gegenteil von dem erreicht hat, was er ursprünglich beabsichtigt hat. es gibt da diesen Autowerbespot, indem Fidel Castro in eine Art Altersheim für Revolutionäre eincheckt. Auf der Veranda sitzen Che und Karl Marx und Che sagt: "It's time for another Revolution!" Und Marx antwortet ihm: "Che, it's about what people need!" Ich denke, das sagt alles.
Und ich muss sagen, es tut weh, wenn einem eine solche Illusion genommen wird.
Wenn ihr wissen wollt, was wirklich auf Kuba los ist, dann lest diesen Blog: http://desdecuba.com/generationy_de/