Dienstag, 4. August 2009

Ruhe und Schönheit unter Wasser

Wenn man nur drei Wochen in Kur ist, hat man nur so wenige Wochenenden um sich komplett aus der Klinik auszuklinken und mal einen Tag lang ganz woanders hinzufahren. Und das Angebot an der Nordsee ist wirklich groß. An meinem letzten Wochenende fuhr ich mit dem Zug nach Tönning, weil ich das Fahrrad schon abgegeben hatte und das Mädel an der Rezeption meinte, dass man da sowieso nicht mit dem Fahrrad hinkäme. Später stellte sich heraus, dass es nur knappe 25 km auf gerader Strecke sind. Hin wäre ich also locker gekommen. Aber die Nord-Ostsee-Bahn ist auch ein schönes Transportmittel. Besonders, weil der Schaffner da wahnsinnig nett war und mir nicht nur die Benutzung des Fahrkartenautomaten toll erklärt hat, sondern mir auch noch den Trick verriet wie ich auf der Strecke Geld sparen kann.
Tönning ist ein süßes kleines Städtchen am Eider-Sperrwerk, das ich noch von einer Klassenfahrt in der neunten Klasse her kannte. Berühmt ist es wohl vorwiegend für seinen hübschen Hafen. Leider war gerade mal wieder Ebbe, die man so nah am Meer auch in der Eider merkt und der Hafen war voller Boote, die auf matschigem Grund lagen. Aber ich war eigentlich nicht nur wegen des Hafens gekommen, denn ich wollte ins Multimar Wattforum, wo man sich über die Nordsee und das Watt informieren kann. Aber nicht nur das, hier gibt es auch riesige Aquarien, die einem die Flora und Fauna unter Wasser zeigen. Große Aquarien haben seit jeher eine besonders beruhigende Wirkung auf mich und somit war klar, dass ich hier problemlos einige Stunden würde totschlagen können.
Meine Erwartungen wurden sogar noch übertroffen. Neben dem Fußweg zum Wattforum graste eine große Schafsherde und die Schilder, die entlang der Weges aufgestellt waren, besagten, dass dies Exemplare waren, die auf der ganzen Welt vom Aussterben bedroht sind. Und bei genauerem Hinsehen konnte man auch die unterschiedlichen Rassen erkennen. Ich weiß jetzt auch, weshalb Leonie Swann die Tiere so toll fand, dass sie sie zu Protagonisten eines Krimis machte. Denn auch hier schien gerade eine Ermittlung im Gange zu sein, oder Schafe sind einfach nur wahnsinnig neugierig.
Das Gebäude sieht von außen recht klein aus, aber es hat es wirklich in sich. Auf mehreren Stockwerken, wird einem alles über das Leben im und rund ums Watt beigebracht. Alles ist sehr kindgerecht mit Filmen und Dingen, die man selbst ausprobieren kann gestaltet. Es gibt sogar einen Unterwasser-Streichelzoo, allerdings war ich nicht ganz so mutig wie die begeisterten Kleinen. Einen Krebs zu streicheln hätte ich mich nicht getraut.
Die vielen Aquarien fesselten mich völlig und besonders toll fand ich eines, das am Ende eines langen Ganges lag. Es ist so groß wie zwei Stockwerke und in einem Auditorium kann man einfach nur dasitzen und den Geräuschen der Tiefsee lauschen und sich von dem Treiben vor sich einlullen lassen. Okay, die Geräusche


kommen vom Band, aber die Illusion ist perfekt. Ich war ganz alleine und konnte in aller Ruhe den Fischen zusehen. Sogar ein Hai war dabei.
Das Wattforum hat aber noch mehr zu bieten, denn es verfügt über eine ganze Abteilung, die sich nur mit Walen und der Geschichte des Walfangs beschäftigt. Ich wusste gar nicht wie viele Arten es gibt und, dass sie alle so unterschiedlich klingen, denn in einer der vielen Themenkammern die vom Hauptraum abgehen, kann man sich Walgesänge anhören. Am tollsten finde ich noch immer die Belugawale, denn sie haben die variantenreichsten Gesänge, die von Klicklauten über menschnähnliche Stimmen bis zu etwas, das fies nach einem Furz klingt, reichen. Beeindruckend ist natürlich der Nachbau eines lebensechten Pottwals, der 1997 gestrandet ist. Man kann auf speziellen Liegen darunter liegen und sich durch Lautsprecher über das Leben der Wale und die Bemühungen um ihren Schutz erzählen lassen. So richtig grausam wurde es allerdings in der Themenkammer, in der es um den Walfang geht. Hier werden sogar kleine Originalfilme gezeigt, die einem das Grauen für diese wunderschönen Tiere erst so richtig vor Augen führen. Es werden auch einige Produkte gezeigt, die zum Beispiel in Japan aus Walen hergestellt werden und sorry, aber wer braucht Essstäbchen aus Walknochen oder muss Walfleisch aus der Konserve essen? Widerlich!
Inzwischen bin ich mir auch sicher, dass wir Menschen auf irgendeine Weise etwas mit dem vermehrten Stranden von ganzen Walschulen zu tun haben müssen. Es gibt dort nämlich so eine Wand an der man die verschiedenen Strandungen über hunderte von Jahren verfolgen kann und es werden immer mehr. Die Ursache hat noch keiner gefunden, aber es ist wohl so, dass bei den Pottwalen immer nur die Männchen die Orientierung verlieren und auf dem Strand auflaufen. Sage noch einmal jemand was über Frauen und ihren Orientierungssinn. Nach Stunden tauchte ich aus dem blau-grün wieder ans Tageslicht und war fast soweit bei Greenpeace einzusteigen.
Die ganze Zeit war das Wetter eigentlich ganz passabel gewesen, aber genau in dem Moment, als ich das wattforum verließ fing es an zu regnen, und wie. Ich flüchtete mich in das schönste Restaurant am Hafen, die Goodewind, weil man dort unter der Marquise trotz des Regens noch draußen sitzen konnte. Hunger hatte ich auch, aber die Speisekarte spregte doch mein kleines Budget. Ich glaube der Kellner, der sogleich heraneilte, war ein wenig enttäuscht als ich nur eine Krabbensuppe bestellte. Das war halt das günstigste. Ich lehnte mich entspannt zurück und sog diese schöne Athmosphäre und das Ambiente in mich ein. Hätte ich keine Jeans und T-Shirt getragen, sondern ein langes weißes Kleid und Hut, dann hätte die Kulisse auch aus einem Film über das neunzehnte Jahrhundert stammen können, und ich hätte eine feine Dame gespielt. Die tönninger Krabbensuppe war übrigens ein Traum. Leider habe ich vor dem Essen vergessen den Teller zu fotografieren, denn der war so liebevoll angerichtet, dass man sich fast nicht traute den Löffel in diese Farbenpracht zu tauchen, denn über die knallrote Suppe waren auch noch Blüten gestreut. Während ich so dasaß und genoß, es regnete zu mglück noch immer, so dass der Kellner mich schlecht vertreiben konnte, gesellte sich eine Katze zu mir. Anscheinend saß ich auf ihrem Platz, denn sie versuchte sogleich mir auf den Schoß zu springen. Nach einem kleinen Ringkampf begnügte sie sich aber dann mit der Bank neben meinem Stuhl. So saßen wir da und der Regen prasselte über uns auf die Marquise. Wenn man solche Momente doch in Dosen packen und immer mal wieder rausholen könnte. Die Goodewind ist aber nicht nur ein Restaurant, sondern auch ein Romantikhotel. Wer also mal ein romantisches Wochenende verleben möchte, ist dort genau richtig.

Samstag, 25. Juli 2009

Von eitlen Pfauen und Zotteltieren

Nachdem ich mir eines Samstags eine Ganzkörpermassage im örtlichen Wellnesstempel, der Dünentherme gegönnt hatte, weil die Massagen in der Klinik doch relativ brutal ausfielen, traf ich mich mit meiner Kur-Mama Marion (eine Kellnerin hielt mich für die Tochter meiner beiden Begleiter und seitdem war Marion meine Kurmama) am Westküstenpark, einem Zoo, der allerhand interessante Tiere beherbergt. Kur-Papa Dirk wollte nicht mit.
Über eine kleine Brücke gelangt man vorbei an wahnsinnig hässlichen Pelikanen, die aussehen als hätten sie einen Fleischanzug an, aufs Zoogelände. Die erste Station war gleich die Seehundstation, allerdings waren die Viecher nicht so recht gewillt sich von uns fotografieren zu lassen und tauchten immer just in dem Moment wieder ab, wenn ich den Auslöser drückte. Aber klar, es gab ja auch kein Futter, wieso sollten sie sich da auch freiwillig zeigen. Ein paar Schnappschüsse bekam ich aber dann doch., indem ich einfach gnadenlos und ohne zu ziehlen draufhielt.
Ein Stück weiter, auf einer Wiese grasten merkwürdige Tiere. Sie sahen aus wie Esel, aber wie Esel, die mit Samson aus der Sesamstraße gekreuzt worden waren. Sie hatten ein ganz langes zotteliges Fell, und dann sah ich das Schild: Zotteltiere. So sehen also Zotteltiere aus. Eindeutig meine neuen Lieblingstiere. Am Ende des Rundgangs bewiesen sie dann auch noch, dass sie gar nicht so behäbig sind, wie sie aussehen, als zwei Jungtiere sich einen kleinen Kampf lieferten.




Der Zoo hat so viele verschiedene Tierarten, dass wir aus dem Staunen gar nicht mehr herauskamen. Auf dem Zaun eines Geheges saß dann auch nach ganz unvermittelt ein riesiger Pfau in der Sonne. Er ließ uns ganz nah an sich heran und stolzierte auf dem Zaun hin und her in seinem Federkleid, das auch Dior nicht so hätte designen können. Ganz eitel setzte er sich fürs Foto in Pose um dann, vom Zaun zu hüpfen und seine Federn wie eine Schleppe hinter sich herziehend davon zu stolzieren. Er war so nah, dass er mir fast auf die Füße trat.






Allein um so etwas schönes zu sehen, hat sich die ganze Reise schon gelohnt.
Lustig fand ich auch die Lamas. Das ist eine Art, die ein ganz besonders schickes Pony haben und irgendwie sehr gechillt aussehen. Guckt euch mal die Lamadame an, Bruce hatte an ihrem Walk seine helle Freude gehabt.
















Hier noch ein paar Impressionen:





Donnerstag, 2. Juli 2009

Mit viel Mööööööööhe zum Jever Leuchtturm

Da ich an dem Donnerstag vor Pfingsten angereist bin, habe ich das erstaunliche Glück ab Samstag Mittag keinerlei Therapien mehr besuchen zu müssen und habe also bis Montag frei. So gefällt mir das. Sonntag miete ich mir ein Fahrrad für 14 Tage und Düse los. Bis zum Leuchtturm nach Westerheever, dem aus der Jever-Werbung, sind es 17 Kilometer gerade Strecke immer am Deich entlang. Da ich ja gerne auf dem Rad ein bissl heize, habe ich mir auch kein popeliges 3-Gang Rad gemietet, sondern ein tolles Trekkingbike mit 24 Gängen. Trekking bedeutet allerdings auch Fahrrad pur, also kein Gepäckträger, keine Lampe. Aber das kann man verschmerzen, dafür komme ich den Deich in einem Rutsch hoch, wo andere schieben. Das gilt vor allem aber auch bei Gegenwind.
Die Strecke ist toll. Als ich aus Ording raus bin, fahre ich direkt am Deich und werde begleitet von hunderten von Schafen, die mir entgegenzublöken scheinen, "Bist du doof! Bei der Hitze so viel Bewegung?". Es ist in der Tat sehr warm, aber da immer ein leichter Wind geht, fühle ich mich trotzdem super. Fröhlich blöke ich zurück und kurve um die Schafsköttel herum, die überall auf dem Weg liegen. Hunde sind übrigens an der Leine zu halten und ihre Haufen hat man zu beseitigen, aber an den Gattern, die immer wieder den Weg versperren, steht, dass man die freilaufenden Schafe und ihre Hinterlassenschaften in Kauf nehmen muss, wenn man diesen Weg fährt. An einem Aussichtspunkt auf dem Deich, treffe ich doch tatsächlich Mopple the Whale (Wer den Schafskrimi gelesen hat, weiß wen ich meine). Die Mutterschafe tun mir ein bisschen leid bei der Hitze, denn so kurz vor der Schur tragen die ein ganz schön dickes Fell. Den Lämmern scheint es aber zu gefallen, denn sie kuscheln sich ganz fest bei ihren Müttern ein, wenn sie nicht gerade keck Scheinangriffe gegen Touristen führen. Bevor ich aber eins streicheln kann, rennen sie immer wieder weg. Schade, denn die sind wirklich süß.
Es sind aber auch viele Leute unterwegs und an jedem Gatter trifft man sie wieder und wechselt sich mit dem Aufhalten der Türen ab. Aber auf der Strecke passiert wieder das gleiche wie am Strand, man wird von der Entfernung frustriert. Ich kann den Leuchtturm ab Ording zwar sehen, aber größer wird er irgendwie nicht. Und dann wäre ich beinahe an ihm vorbei gefahren, weil der Deich so hoch war, dass er nicht mehr drüberguckte. Nach nochmal etwa einem Kilometer über die Salzwiesen stand ich dann davor. Ganz schön hoch. Eine Eintrittskarte hätte ich schon ganz vorne am Parkplatz kaufen müssen, also begnüge ich mich damit mir das kleine Wattmuseum anzusehen, das die Studenten, die ein ganzen Jahr hier verbringen, eingerichtet haben. Muss toll sein, hier draußen zu wohnen bei Wind und Wetter und sich um den Erhalt der Landschaft zu kümmern. Vielleicht hätte ich Meeresbiologie studieren sollen? Seit ein paar Jahren kann man im Leuchtturm sogar heiraten.
Da es wirklich sehr warm ist und die Strecke für mich doch recht weit, spüre ich inzwischen wie meine Akkus leer laufen. Das mitgebrachte Wasser habe ich schon seit geraumer Zeit leer gemacht, aber es gibt Rettung: Ausgehungert wie ein Wolf falle ich bei Captain Curry, einer Imbissbude am Parkplatz vom Leuchtturm ein und verschlinge ohne schlechtes Gewissen einen Lammburger. Dabei schaue ich den Schafen auf der Weide zu. Ein bisschen pervers komme ich mir dabei allerdings schon vor. Aber es schmeckt so gut!
Ich decke mich noch mit Wasser ein und mache mich dann auf den Rückweg. Erst jetzt merke ich, wie untrainiert ich eigentlich bin, denn jeder Kilometer zurück wird anstrengender, auch weil mir trotz Basecap die Sonne mächtig aufs Hirn brennt und der Wind plötzlich abgeflacht ist. Und kein Schatten, kein Baum in Sicht. Auf der Hinfahrt habe ich aber kurz vor Ording ein paar Vogelbeobachtungshütten gesehen. Bis dahin schaffe ich es gerade noch. Zum Glück ist die erste gleich unbesetzt und dreißt lege ich mich erst einmal ein bisschen auf eine der Bänke und döse. Dort findet mich dann eine Mitpatientin aus der Klinik, die lustigerweise aus Ingelheim kommt, und zusammen radeln wir das letzte Stück zurück.
Das war der erste wirklich schöne Tag der Kur, aber eben weil ich machen konnte, was ich wollte. Das hatte schon ein bisschen was von Urlaub. Abends ist an der Strandprommenade Pfingsfest. Ich schließe mich einfach einer Gruppe von Damen an, die auch aus Hessen kommen und zum Fest wollen. Als wir so über den Deich spazieren, tippt mir eine von ihnen plötzlich auf den Rücke und meint, "Was hast du denn da gemacht?" Und in dem Moment, wo ihr Finger meinen Rücken berührt merke ich, was sie meint: Sonnenbrand! Ich war zwar überall eingecremt gewesen, hatte aber den neckischen kleinen Rückenausschnitt an meinem T-Shirt vergessen. Und so bildete sich ein lustiger tränenförmiger roter Fleck auf meinem Rücken, der bis heute noch nicht richtig weg ist, auch wenn die Verbrennung gar nicht so doll war.

Mittwoch, 24. Juni 2009

Nachdem ich richtig angekommen bin,...

...beginnt die Kur mit einer Blutabnahme. Mache der Schwester gleich mal Angst, denn eigentlich darf das ja nur meine Mami. Aber sie lässt sich gar nicht aus der Ruhe bringen und zapft auch ganz toll. Habe hinterher zumindest nicht so riesige blaue Flecken wie einige andere. Anschließend schlurfe ich erst mal in den Speisesaal zum Frühstücken. Das Mädel aus Marburg, die einzige in meinem Alter, würdigt mich heute sogar eins "Guten Morgen"s. Sonst spricht sie aber immernoch nicht und schlingt wieder nur ihr Essen runter um dann ganz schnell zu verschwinden. Mein Therapieplan, die Bibel, für den jeden Morgen und Abend Änderungen an der Rezeption liegen können, weshalb jeder völlig panisch immer nachgucken geht, zeigt nicht so viel. Noch zur Bestrahlung und zum EKG. Meine erste Anwendung dauert gerade mal 15 Sekunden, denn länger dauert die UVAB-Bestrahlung fürs erste gar nicht. Sieht ein bisschen aus, als solle man gebeamt werden, ist aber heißer. Und man ist völlig nackig. Ob das streifenfreie Bräune verspricht? Der Rest des Tages geht für langweilige Vorträge drauf. 9 Stunden Asthmaschulung sollen das insgesamt werden! Danach hat man dann einen Doktor in Asthma oder wie? Vor allem, weil die da nichts wirklich neues erzählen. Also nur den Leuten, die es noch nicht ihr Leben lang haben.
Sobald das vorbei ist, verlasse ich schnurstracks wieder die Klinik und gehe wandern. Über einen langen Holzsteg komme ich endlich ans Meer. Der Wind heult und ich patsche glücklich wie ein kleines Kind durchs Wasser, das sogar erstaunlich warm ist. Herrlich! Wind und Wasser sind einfach meine Elemente. Am liebsten würde ich mich einfach auf den Hosenboden fallen lassen und hier bleiben. 3 Wochen im Zelt am Strand, so ließe es sich leben.
An diesem Tage laufe ich über 20km, denn hier oben geht einem wahnsinnig schnell der Sinn für Entfernungen verloren. Man denkt immer, ach da vorne ist es doch gleich, ich sehe es ja schon, aber dann ist man ganz flux mal 6 Kilometer gelaufen. Aber ich wollte ja lange Strandspaziergänge machen. Da ich zu Hause ja relativ viel rumsitze, tun mir abends die Beine so höllisch weh, dass ich kaum noch auftreten kann, aber ich bin glücklich. Das Meer entschädigt mich für alles, was in dieser Kur noch kommen mag.
St. Peter-Ording ist auch der Ort, an dem eine meiner Kindheits-Lieblingsserien gedreht wurde: Gegen den Wind. Aber als ich am Ordinger Strand ankomme, sieht es da schon lange nicht mehr so aus. Inzwischen scheint auch kaum noch jemand Winsurfen zu mögen, stattdessen sieht man lauter Kitesurfer, was, finde ich, ein viel größeres Spektakel ist, denn die ganzen Gleitschirme am Himmel sehen einfach toll aus. Ich frage mich nur, wie die das schaffen, sich nicht in einander zu verheddern. Leicht scheint dieser Sport auch nicht zu sein, denn vom Strand aus beobachte ich wie zwei Lehrer einen Jungen aufs Brett hieven. Einer hält ihn fest, sonst würde er wahrscheinlich nach Schweden fliegen und einer schnallt ihm das Brett unter. Ich hätte zu viel Angst abzuheben und irgendwo in der Nordsee zu landen. Aber toll sieht's aus.

Samstag, 20. Juni 2009

Wi wisch ju ä pläsänt Schörnei

Tjaja, das Englisch in der Deutschen Bahn. Diesen Satz hörte ich auf der Fahrt von Wiesbaden nach Hamburg an jedem Bahnhof. Aber es war eine gute Reise, die allerdings schon um 5.00 Uhr morgens begann. Das Wetter war so trübe wie meine Stimmung, aber als wir in Hamburg einfuhren riss plötzlich der Himmel auf und meine Lieblingsstadt begrüßte mich mit strahlendem Sonnenschein. Am liebsten wäre ich gleich dort geblieben, aber Altona war ja nur mein Umsteigebahnhof. Ab hier gings weiter mit der Nord-Ostsee-Bahn und in Husum musste ich auch nochmal umsteigen. Die Fahrt von Hamburg nach St. Peter-Ording dauerte so genauso lang wie die von Wiesbaden nach Hamburg. Dafür gab es eine nette Rundfahrt über die Halbinsel Eiderstedt mit Halt an jedem Schaf.
Nach gefühlten 12 Stunden kam ich ziemlich platt in der Kurklinik an. Hier wurde mir dann schlagartig bewusst, dass ich vielleicht doch zu jung für eine derartige Kur bin, denn in der Lobby saßen lauter alte Leute in Trainingsanzügen herum, einige sogar mit Sauerstoffflasche. Als die Schwester mich zu meinem Zimmer brachte sank mir aber erst richtig das Herz. Ein trostloses Zimmer, dem ich jederzeit miese französische Hotelzimmer vorziehen wurde - die haben wenigstens Charme - das seelenloser nicht hätte sein können. Dafür gab es einen Balkon, also einen, der an allen Zimmern vorbeiführt, so dass jeder jederzeit allen ins Zimmer gucken kann. Der Meerblick entschädigte ein wenig, aber als ich so auf meinem Bett saß und mich umschaute, hätte ich ein am liebsten geheult. Hierfür hatte ich also ein halbes Jahr lang gekämpft. Nach einem Schockmoment, riss mich mich dann aber zusammen. Erst mal alles angucken und dann weitersehen. Als erstes stand ja noch die Aufnahmeuntersuchung beim Stationsarzt an. Der fragte allerhand guckte mal über meine Haut und dann besprachen wir welche Therapien ich die nächsten drei Wochen bekommen würde. Da es hier sonst garantiert langweilig wäre, ließ ich mir so ziemlich alles an Sport verschreiben was es gab. Das würde ich allerdings später noch bereuen.
Danach flüchtete ich erst mal nach draußen. Auf dem Deich umwehte mich sofort der herrliche Wind der Nordsee und blies mir den Kopf freier. Das Meer erreichte ich an diesem Tag allerdings nicht mehr, denn die Nordsee hat leider die Angewohnheit bei Ebbe sehr weit weg zu laufen und davor sind auch noch die Salzwiesen. Man muss schon eine ganze Ecke laufen, bevor man die Füße endlich ins Meer stecken kann. Da es hier sehr früh Abendessen gibt, klappte das leider nicht mehr. Ich war auch viel zu müde.
Beim Abendessen lernte ich endlich auch einige Mitpatienten kennen. Eine ziemlich überdrehte Berlinerin, der man den übermäßigen Zigaretten- und Alkoholkonsum schon ansah und sogar ein Mädel in meinem Alter, allerdings sprach sie nicht, sondern schlang ihr Essen runter und verschwand wieder. Der letzte Platz blieb leer. Zu essen gab es, wie jeden Morgen und Abend, Brot. Und es war eigentlich noch Nachmittag, 17.30. Dementsprechend saß ich später auf meinem Zimmer und hatte wieder Hunger. Motzig ging ich ins Bett. Sollte ja morgens nüchtern zur Blutabnahme erscheinen. Nüchterner ging schon nicht mehr.

Mittwoch, 27. Mai 2009

Bin dann mal wech...

also, es ist dann soweit. Die Koffer sind gepackt und nun ist es an der Zeit auch den Laptop zu verpacken. Mal sehen, wann ich wieder online sein kann, sonst kriegt ihr den Bericht wenn ich zurück bin.
Alles Liebe erst mal! Werde euch vermissen...

Mittwoch, 13. Mai 2009

Meer Zeit...


...für mich werde ich in zwei Wochen haben, denn ich werde mich dann für fast einen Monat an die Nordsee zurückziehen und nur das tun, was mir auch gut tut. Am Strand spazieren gehen, schwimmen und außer Yoga noch die tollen Anwendungen in der Kur genießen. Ich werde natürlich versuchen euch auf dem Laufenden zu halten, allerdings gibt es in der Klinik selbst kein WLAN, also muss ich mal sehen, ob ich irgendwie blind bloggen kann. Wer in der Zeit vom 28.5. bis 18.6. mal an der Nordsee ist, kann mich ja gerne mal in St. Peter-Ording besuchen kommen.

Samstag, 9. Mai 2009

Es wird ernst...

denn ich habe letzten Montag meine Magisterarbeit angemeldet. Von jetzt an, in einem halben Jahr muss ich abgeben. Es wird also eine anstrengende aber interessante Zeit werden. Ich hoffe, dass niemand sauer ist, wenn ich mich deshalb vielleich nicht so oft melden kann, wie sonst. Aber wie ihr an der Uhr sehen könnt, die Zeit rinnt nur so dahin.

Dienstag, 7. April 2009

Die süßen Früchte des Sieges...

...kann ich nun endlich auskosten, denn nach einer Ewigkeit des Wartens, teilte mir eine freundliche Sekretärin per Email mit, dass ich die Zulassungsklausur, also die letzte Hürde vor dem Endspurt, bestanden habe. Nun kann ich endlich richtig Gas geben und das Studium vorraussichtlich Ende des Jahres beenden. Was dann kommt...das werden wir sehen...

Sonntag, 22. Februar 2009

Ins Nirvana gestrickt?

Die große Klausur, vor der ich so große Angst hatte ist nun schon wieder vorbei und ich habe endlich mal wieder Zeit hier etwas zu schreiben. Schon komisch, da fiebert man monatelang darauf hin und dann ist es einfach vorbei und man steht vor dem Raum und kann sich an die letzten Stunden kaum erinnern. Meine Angst war so groß, dass ich endlich wirklich jeden Tag Yoga gemacht habe um mich zu beruhigen und zu fokussieren, aber ich habe noch etwas anderes wiederentdeckt: das Stricken. Ja, ihr lest richtig. Die lavafee strickt! Aus irgendeinem Grund ging ich vor ein paar Wochen in einen Laden und kaufte mir Stricknadeln und Wolle und mühte mich damit ab mich daran zu erinnern, was man damit eigentlich macht. Dank Youtube lernte ich dann auch wie man den Anfang strickt und erinnerte mich an Rechte Maschen. So saß ich nach dem Lernen, wenn einfach nichts mehr in meinen Kopf passte, da und strickte Reihe um Reihe an einem Schal. Der war sehr schnell fertig, denn es machte Spaß. Inzwischen bin ich bei meinem dritten und vierten Schal, denn mittlerweile kann ich dank einer guten Freundin auch Linke Maschen, was mich zum Stricken von Mustern befähigt. Und jetzt bestricke ich natürlich erst einmal alle um mich herum. Manche gucken mich an als sei ich nun verrückt geworden, aber ich glaube, das Stricken hat mir in dieser Zeit einfach auch geholfen nicht heulend zusammen zu brechen, denn es ist eine der meditativsten Tätigkeiten, die man machen kann. Irgendwann erreiche ich jedesmal so einen Punkt der inneren Leere, einer positiven Leere, und des Friedens. Als hätte ich alle meine Ängste und Sorgen in jeder einzelnen, also hunderten Maschen einfach verstrickt. Kann man sich also in eine Art Nirvana stricken? Ist das Fädeln der Maschen von der linken auf die rechte Seite etwas ähnliches wie das Beten eines Rosenkranzes oder das Beten mit Malaperlen, die man einzeln durch die Finger gleiten lässt? Ich glaube ehrlich gesagt ja.
Für mich war es aber auch noch etwas anderes: Durch das Stricken, das mir meine geliebte Oma noch beigebracht hat, bevor sie leider viel zu früh verstarb, konnte ich ein gewisses Gefühl der Geborgenheit wiedererstehen lassen. Die Abende an den Wochenenden, wenn wir in ihrem Wohnzimmer saßen, sie strickte und ich versuchte es, oder häkelte und dabei lief "Wetten daß...?" oder eine andere große Samstagabendshow. Das war Sicherheit. Nichts konnte uns etwas anhaben. Insofern ist jeder fertige Schal ein kleiner Tribut an meine Oma. Ihr könnt mich ruhig sentimental nennen. Sie konnte meinem kleinen Bruder nichts mehr stricken, aber dadurch, dass sie es mir gezeigt hat, trägt der kleine Kerl heute einen petrolfarbenen Schal, in dem die Liebe seiner großen Schwester und die seiner Oma, die er nie kennenlernen wird, stecken...und zwar in jeder einzelnen Masche.

Montag, 26. Januar 2009

Haggis schmeckt gar nicht so schlimm...

...wie ich gestern auf der 250. Burns Night ausgerichtet von der Hochschulgruppe Schottische Freunde an der Mainzer Uni erfahren durfte.
Wir hatten uns also mit Karos angetan und in die Uni aufgemacht.
Der Abend begann traditionell mit der "Adress to the Haggis" von Robert Burns, der von vier stattlichen Herren im Kilt hereingetragen und dann feierlich angeschnitten wurde. Bisher hatte ich mich darum gedrückt dieses Gebilde aus Schafsinnereien zu probieren, aber diesmal wollte ich mutig sein und es schmeckte vorzüglich, sogar den ängstlichsten unter uns. Dazu gab es "Neeps and Tatties", also Kartoffelbrei und Möhrenbrei. Ich glaube die Schotten hatten sehr schlechte Zähne, denn ein bisschen erinnerte es an Babynahrung. Es war auf jeden Fall lecker! Haggis schmeckt in etwa wie Kalbsleberwurst und somit zumindest für Nicht-Vegetarier ziemlich lecker. Nach dem Essen gab es erst noch ein paar Reden erst "To the Lasses" also auf die Mädchen und dann "To the Lads" also auf die Jungs. Nach jeder musste natürlich kräftig mit Whiskey angestoßen werden. Die "Authenitc Voices" unser Departmeneigener Chor gab auch noch einige Lieder von Robbie Burns, wie die Schotten ihren Nationaldichter liebevoll nennen, zum besten. Dabei kam mir der Gedanke, wie ernst wir unseren Geheimrat Goethe doch nehmen. Und so beschlossen wir, ab heute heißt er Wolle Goethe! Nicht immer alles so ernst nehmen!
Das wichtigste kam aber nach allen Vorführungen: Nachdem wir erst mal alle Tische und Stühle beseite geräumt hatten, startete das eigentlich Ceilidh. Zur Musik der Liveband Stew wurden wir ins Linedancing eingeführt. Ein wildes Hüpfen und drehen und vor und zurück, aber bei allem Chaos das entsteht wenn 150 Leute in einem kleinen Raum versuchen einigermaßen geordnet ihre Runden zu drehen ein riesen Spaß! Und was ich ziemlich erstaunlich fand war, dass es keinem peinlich war im Kreis herum zu hopsen. Ganz im Gegenteil! Wir hatten alle ne Menge Spaß.




Montag, 19. Januar 2009

Tage der Hoffnung...

Am Sonntag wäre ich zum ersten mal lieber Amerikanerin als Hessing gewesen. Da ich aber mit Worten nicht die Stimmung vom Sonntag verjagen will, schaut es euch bitte selbst an. Natürlich wird hier groß inszeniert, aber ich glaube die Amerikaner brauchen das auch. Ach, und achtet mal auf das kleine Mädchen in Pink hinter Barack Obama. Wenn das nicht Urvertrauen ist.





Das ist speziell für Naschi:


Samstag, 10. Januar 2009

Verlorene Illusionen

Gerade surfte ich durch die weite Welt der Blogs und entdeckte "Generacion Y" , geschrieben von der Kubanerin Yoani Sánchez. Sie beschreibt den Alltag der Menschen auf Kuba und da sie dabei äußerst ehrlich ist, ist der Zugang natürlich von Kuba aus verboten. Aber im Rest der Welt kann man lesen, wie es dort zugeht. Und wie ich da ein wenig las, musste ich darüber nachdenken, dass man überall auf der Welt diese tollen T-Shirts mit Ché Guevaras Konterfei kaufen kann. Naturgemäß werden sie vor allem von Jugendlichen und Leuten Anfang 20 getragen, die gerade ihre politische Seite entdecken. Bei vielen geht es hier vor allem darum zu rebellieren, gegen die Eltern, Großeltern und das Establishment. Ich trug mit 16 mit Stolz mein Palästinensertuch, allerdings hatte ich keine Ahnung, was die Aussage ist. Mir ging es darum, dass mein Großvater sich so schön darüber aufregte. Auch für mich war Ché ein Held, weil er als Revolutionär gilt, der für seine Ideale gekämpft hat und für eine bessere Welt. Doch als ich seine Biographie gelesen hatte, war ich doch einigermaßen ernüchtert. Natürlich wollte er die Welt verbessern und an den Zuständen auf Kuba etwas ändern, doch inzwischen ist mir klar, dass er es mit den falschen Mitteln getan hat. Mit Gewalt. Und letzendlich eigentlich gar nichts erreicht hat. Kuba ist nicht frei. Eigentlich ist es sogar noch schlimmer dran, als die zerfallene DDR. Lebensmittelkarten sind nötig und es gibt zumindest für die Kubaner selbst, so gut wie nichts, weshalb so viele die Insel verlassen wollen, was ihnen nicht möglich ist, es sei denn durch eine Lebensgefährliche Flucht übers Meer. Im Prinzip überlebt die Dikatur nur, weil Kuba in einer warmen Klimazone liegt. Müssten die Menschen in Armut leben und erfrieren, hätte es mit Sicherheit keinen Nachfolger für Fidel Castro gegeben. Wo sind die Verbesserungen, die Che und Castro erreichen wollten? Letztendlich ist auch Fidel Castro nur ein Tyrann, der seinem Volk, dem er doch die Freiheit bringen wollte, eben diese genommen hat, es wie Kinder behandelt, die sich nicht selbstbestimmen können, und ich finde, er hat die Ideale verraten, die ihn und Che leiteten. Das kubanische Volk hat heute ganz andere Vorstellungen, wie es mit dem Land weitergehen soll. Es will sich frei bewegen können und die Chance auf Wohlstand zu haben. Stattdessen dürfen, die die in den Hotels arbeiten, in denen die reichen Touristen wohnen, zusehen, dass diese in Luxus leben. Eine Freundin erzählte, dass vor den Hotels Menschen stehen und nicht etwa um Geld betteln, denn das ist für sie wertlos - wo sollten sie es auch ausgeben? - nein, sie bitten die Touristen um Kleidung, Shampoo, Hautcremes, all das, was sie eben nicht erwerben können. Ist das nicht traurig?
Nein, Che Guevara ist in meinen Augen kein Held mehr, sondern ein Mann, der durch die Wahl der falschen Mittel genau das Gegenteil von dem erreicht hat, was er ursprünglich beabsichtigt hat. es gibt da diesen Autowerbespot, indem Fidel Castro in eine Art Altersheim für Revolutionäre eincheckt. Auf der Veranda sitzen Che und Karl Marx und Che sagt: "It's time for another Revolution!" Und Marx antwortet ihm: "Che, it's about what people need!" Ich denke, das sagt alles.
Und ich muss sagen, es tut weh, wenn einem eine solche Illusion genommen wird.
Wenn ihr wissen wollt, was wirklich auf Kuba los ist, dann lest diesen Blog: http://desdecuba.com/generationy_de/

Samstag, 3. Januar 2009

Ich wünsche allen...

... ein Frohes Neues Jahr und hoffe, dass ihr alle gut rübergekommen seid.
es wird bestimmt ein aufregendes Jahr, denn viele Veränderungen stehen an.
Also lassen wir es kommen und bleiben neugierig!