Donnerstag, 26. Juni 2008

Kopenhagen - Stadt der Fahrräder und der entspannten Menschen

Fehmarn liegt sehr nah an Dänemark, was man auch daran merkt, dass die Dänen, aber auch die Schweden nur zu gerne mit der Fähre nach Deutschland kommen um vor allem Alkohol zu kaufen. Der ist nämlich bei uns eindeutig billiger. Und so findet man sich auf der Fähre immer umzingelt von Kleinbussen und großen Familienkutschen, deren Achse fast auf dem Boden aufsetzt, weil der Kofferraum voll Bier und Schnaps ist. Ich wiederum dachte mir, dass ich Dänemark einen Besuch abstatte und buchte eine Busreise nach Kopenhagen, inklusive Stadtrundfahrt und ein paar Stunden zur freien Verfügung.
Morgens um 7.00 Uhr ging es los. Wer mich kennt, weiß, dass ich da eigentlich noch im Tiefschlaf bin. Aber ich dachte, dass ich im Bus schlafen könnte. Mit mir standen noch ein paar Urlauber der Insel an der Bushaltestelle und warteten, dass der Bus auftaucht. Kaum eine Viertelstunde zu spät kam er dann auch und wir suchten uns jeder einen freien Platz in dem schon sehr vollen Bus, der schon auf dem Festland die ersten Mitreisenden aufgesammelt hatte. Typisch deutsch fand ich, dass man sich möglichst nicht anguckt und bloß keinen Kontakt zum Sitznachbarn herstellt. Ich fand aber noch einen freien Doppelsitz, auf dem ich mich komplett ausbreiten konnte.
Auf der Fähre mussten wir natürlich aus Sicherheitsgründen alle aus dem Bus und aufs Oberdeck. Im Duty Free versorgten sich noch mal alle mit Reiseproviant und schauten sich das morgendliche Meer an, das ganz still und ruhig da lag. Bei meiner ersten Überfahrt mit Opa, Brigitte und Gerti war der Seegang so hoch, dass wir übers Schiff schwankten als hätten wir schon einen kleinen Schwips.
Wie schon beim ersten Mal hatte ich bei der Landung im dänischen Hafen das Gefühl, auf der gleichen Seite rauszukommen auf der wir gestartet sind, denn landschaftlich ist das gar kein Unterschied. Könnte auch Deutschland sein. Von jetzt an hatten wir etwa drei Stunden Fahrt vor uns, die ich mit Schlafen zu verbringen gedachte. Aber Pustekuchen! Denn der Busfahrer meinte uns, jedes Bauernhaus als touristische Attraktion anpreisen zu müssen und uns darüber aufklären zu müssen, wie man in Dänemark ein Auto als Geschäftswagen melden kann. Immer, wenn ich gerade am Wegdösen war, knartzte das Mikrofon und er hatte wieder eine Neuigkeit. Den ganzen langen Weg nach Kopenhagen. Nur unterbrochen von einer kleinen Pinkelpause auf einem Rastplatz. Ich weiß ja, dass ich viel rede. Aber der ist der König der Labertaschen!
In Kopenhagen fuhren wir bequem alle Sehenswürdigkeiten ab und fotografierten pflichtschuldig aus dem Busfenster. Also wundert euch nicht, wenn die Scheibe auf einigen Bildern drauf ist. Aber wann kommt man vielleicht wieder hin und dann ärgert man sich, dass man nicht fotografiert hat.
An Schloss Amalienborg, dem Wohnsitz der dänischen Königin Margrethe II. wohnt, wurden wir dann wie hunderte andere Busgruppen aus dem Bus gejagt, um uns den Wachwechsel anzusehen. Und ich muss sagen, der Wachwechsel am Buckingham Palace mag spektakulärer sein, aber die Wachen selbst sind viel lustiger als Lizzy's Grenadiere, denn die müssen nicht stoisch still stehen, sondern treiben ihre Scherze mit den Touristen. Ist auch richtig so, denn jeder, aber wirklich jeder muss sich neben sie stellen, um sich mit ihnen fotografieren zu lassen. Ich glaube, die armen Wehrpflichtigen (noch ein Unterschied zu England, wo Berufsoldaten es als höchste Ehre betrachten, mit Bärenfellmütze bei 30 Grad in der Sonne zu bruzzeln), die da stehen sind diejenigen, die morgens die A....karte gezogen haben. Lustig fand ich ihre Schuhe, denn die sind nach altem Brauch mit Metall beschlagen, was beim Gehen so schön klackert wie bei Steppschuhe. Ich wartete die ganze Zeit, dass einer anfängt zu singen und Fred Astair mäßig zu tanzen beginnt.
Letzte Station der Stadrundfahrt war die "Kleine Meerjungfrau". Ich dachte immer, die stehe weit draußen im Wasser, aber man kann sie anfassen, so nah ist sie am Ufer. Was wohl auch schon dazu geführt hat, dass ihr erst der Kopf und dannd er Arm gestohlen wurde. Ein paar besonders clevere Menschen wollte sie auch schon in die Luft sprengen. Deshalb will man sie jetzt tatsächlich weiter hinaus versetzen.
Von hier aus ging es zum Tivoli, dem ganzjährigen Vergnügungspark mitten in der Stadt. Das war unser Treffpunkt, denn nun begann unsere Freizeit. Ich freute mich schon darauf, die Fußgängerzone zu erobern und ein bisschen die Stadt zu erkunden. Drei Stunden schienen dafür viel zu kurz. Im klimatisierten Bus hatte ich aber noch nicht gemerkt, wie heiß es eigentlich war. Zwar schlenderte ich zuerst an Hans Christian Andersen vorbei über den Rathausplatz und in die ewig lange Fußgängerzone, aber irgendwann schlich ich nur noch von klimatisiertem Laden zu Laden und von Schatten zu Schatten. Dabei murmelte ich immer wieder vor mich hin: "Puh, ist das warm!" und "Boah ist das hell!" So nahe am Polarkreis ist die Sonne einfach gleißend hell, so dass nicht mal meine große Sonnenbrille half. Kühlung versprach nur das eisgekühlte Wasser von 7 /11. Einer Lebensmittelkette, die es dort an jeder Ecke gibt, wo man Getränke, Sandwiches und Süßes erstehen kann. Diese Läden suchte ich im Halbstundentakt auf. Alleridngs warne ich vor dänischem Eis. Denn die packen so viele künstliche Stoffe rein, dass es nicht mal mehr nach Eisschmeckt. Wer jetzt sagt, dass Häagen Dasz doch aber auch dänisch sei, irrt, denn das kommt aus dem tiefsten Brooklyn.

Super fand ich die Atmosphäre, denn ich habe, glaube ich, noch nie ein so entspanntes Volk gesehen. Vor allem die Mädels, von denen etwa 80% Models sein müssen, sind ganz relaxt. Und tolle Klammotten gibt es! Fast alle Frauen, egal welchen Alters, tragen wunderschöne Kleider. Weiß herrscht natürlich vor. Ich konnte mich gar nicht satt sehen und war auch zu müde und zu langsam um diese Pracht zu fotografieren. Vor allem, weil so viele auf Fahrrädern unterwegs waren. Ich hatte gedacht, Köln sei eine Fahrrädstadt, aber Kopenhagen toppt das bei Weitem! Laut der Quasseltasche wechseln hier jährlich zwischen 3.000 und 3.500 Räder auf nicht wirklich legale Weise den Besitzer. Die meisten schließen ihre Räder nicht mal mehr ab und wenn ihres weg ist, nehmen sie einfach das nächste, das dort steht. Auch die Stadt Kopenhagen stellt Räder zur Verfügung. Um den Autoverkehr aus der Stadt zu halten, kann man für 20 Kronen also knapp 3 € ein Rad mieten. Das funktionert wie bei uns das Benutzen eines Einkaufwagens. Man steckt das Geldstück ein und wenn man das Rad wieder an einer der Stationen abstellt, kriegt man sein Geld wieder. Finde ich ne coole Sache.
Außerdem suchte ich ja immer noch eine Möglichkeit meine 250 Kronen, sprich 40€, die ich an Board der Fähre getauscht hatte loszuwerden, außer für Wasser, auch wenn das den größten Teil verschlang. Am Ende kaufte ich mir einen tollen weißen Rock im Stil, wie ihn dort alle tragen. So kann ich ein bisschen von dem Flair der Stadt nach Hause retten.Die drei Stunden waren noch nicht ganz rum, aber ich brauchte einfach ein schattiges Plätzchen und so suchte ich mir einfach am Rande des Tivoli eine Bank um friedlich auf ihr zusammenzubrechen. Kopenhagen ist absolut eine Reise wert, aber beim nächsten mal komme ich im Frühjahr oder Herbst wieder und vor allem mit mehr Zeit.
Irgendwann kam auch der Bus und sammelte uns alle wieder ein. Erstaunlicherweise ging keiner verloren und pünktlich waren auch alle.
Und auf der Rückfahrt blieb auch der Fahrer still, denn es war ja alles gesagt. So konnte ich ganz zufrieden schlafen, bis wir an der Fähre waren. Herrlich! So ein Tag ist doch ziemlich anstrengend, denn wir waren am Ende über 12 Stunden unterwegs.