Dienstag, 10. Juni 2008

Fehmarn das Florida des Nordens

Sehr kurzentschlossen begleitete ich meine Großeltern auf die Ostseeinsel Fehmarn, um meiner Haut eine Ruhepause zu gönnen, die durch die explodierende Natur sehr gereizt war. Zweieinhalb Wochen am Meer erschienen mir da ein Geschenk des Himmels, beziehungsweise meiner Familie. An dieser Stelle ein riesen Dankeschön!


Fehmarn war mal die größte Insel Deutschlands. Zumindest bis sie bei der Wiedervereinigung von Rügen abgelöst wurde. Zum größten Teil besteht sie eigentlich aus riesigen Getreide- und Rapsfeldern und Naturschutzgebieten. Burg ist die größte Ortschaft. Stadt kann man eigentlich nicht wirklich sagen.Und genau dort wohnten wir. Ich hatte sogar ein eigenes Appartement mit einer Terrasse auf der locker 10 Yogamatten Platz hätten. Wichtig war aber vor allem meine Unabhängigkeit zu behalten. Denn mit 25 muss man ja nicht jede Minute mit seinen Großeltern verbringen und die sicherlich auch nicht mit mir. Deshalb mietete ich mir auch sogleich ein Fahrrad, so dass ich auf der Insel auch beweglich war.
Tja, da fand ich mich also zur Vorsaison und während des Semesters auf einer Kurinsel wieder zusammen mit hunderten von Rentnern und Eltern mit kleinen Kindern, die zur Erholung hier waren. Aber das war ich ja auch. Und eins muss man der Insel lassen: Erholen kann man sich hier sehr gut, da es nicht wirklich viel Ablenkung gibt.

Einige Highlights gibt es aber: Erstens ist hier eigentlich jeder Strand richtig schön und es ist auch für jeden etwas dabei. Wer es natürlich mag, kann an romantische Naturstrände, an denen auch Campen erlaubt ist und an die man vor allem auch Hunde mitnehmen kann.
Für die vielen Rentner gibt es aber vor dem Kurzentrum in Burgstaaken den schön gepflegten Südstrand, wo man den ganzen Tag im Strandkorb sitzen kann und sich keine Sorgen über scharfe Gegenstände im Sand machen muss. Hier haben auch die Fehmaraner ihre Strankörbe. Ohne Kurtaxe geht es hier allerdings nicht. Dafür hat man an der Strandpromenade Geschäfte und Cafés und ab nächstem Jahr auch wieder ein Schwimmbad. Außerdem gibt es hier am Ende des Strandes und direkt am Eingang zum Yachthafen eine Strandbar, die aus der Becks-Werbung geklaut sein könnte. Das "Sorgenfrei" lässt einen bei einem Bier oder Drinks mit tollen Namen wie "Lebensfreude" (Prosecco mit Aperol) tatsächlich alle Sorgen vergessen. Mit dem Fahrrad war das Abends immer eine nette Runde nach dem Abendessen.
Eine Steilküste gibt es auch. Dort kann man Seeschwalben beobachten und aufs deutsche Festland rüber gucken.


Alle Orte der Insel sind eigentlich bequem mit dem Fahrrad erreichbar, denn sie ist nur knapp 15km lang und 12km breit und ohne jegliche Erhebung. Der einzige Gegner ist der Wind, der ziemlich stark blies. Mit Rückenwind ist das alles auch kein Problem, aber einmal war der Gegenwind so stark, dass ich fast vom Deich geweht wurde. Das war dann wirklich kein Spaß mehr und es half nur noch Absteigen und Schieben. Ich meine, ich liebe Wind wie niemand sonst in meiner Familie, die sich permanent darüber beschwerte, aber das war dann selbst mir mal zuviel. Sonst habe ich sogar einmal direkt auf dem Steg in Burgstaaken gesessen und den Wind frontal auf mich zurollen lassen und habe es wahnsinnig genossen.






Wettermäßig wurden wir überhaupt sehr verwöhnt. Während der Rest Deutschlands unter der Schwüle litt und in Gewittern unterging, hatten wir immer Sonne und durch den Wind angenehme 18 bis 20 Grad. Genau wie ich es am liebsten habe, weil es mir da am besten geht. Dazu noch die Füße in die Ostsee halten zu können war das Größte. Ganz rein wollte ich bei 14- 16°C allerdings nicht. Dazu bin ich wohl zu zimperlich. Meine Vermieter waren wohl aber schon schwimmen. Brrrrrrrrrrrrrrr! Es gab aber noch ein paar Leute, die die Kälte des Wasser nicht störte, weil sie nämlich Neopren trugen. Es waren jede Menge Kite-Surfer auf dem Wasser unterwegs. Mich wunderte immer wieder, dass die sich nicht ineinander verheddert haben, denn teilweise waren bestimmt zehn gleichzeitig zum Beispiel in der Bucht in Puttgarden.

Fehmarn ist durch seine vielen Brachlandschaften auch ein beliebtes Zeil für viele Sorten von Vögeln. Die kann man im Vogelschutzgebiet Wallnau beobachten. Hier folgt man einem Pfad und gelangt so zu Hütten von denen man aus, mit Ferngläsern zugucken kann, was die Blässralle oder der Kibitz so machen. Ganze Clans von Wildgänsen ziehen gerade hier ihre Jungen groß. Teilweise sieht das aus, wie ein Ausflug mit dem Kindergarten. Vorne und hinten watschelt eine große Gans und dazwischen wackeln in einer schönen Reihe die Kleinen. Während wir Spanner spielten, wurden wir aber auch genau beobachtet und umflogen. In den Schutzhütten nisten nämlich Schwalben und die schehren sich kein Stück, ob da Menschen drin sitzen und durch Ferngläser glotzen oder nicht. Man kann aber nicht nur Vögel beobachten. Wallnau ist auch ein bisschen wie ein Abenteuerspielplatz für Erwachsene. Die Wasserkurbel zur Bewässerung kleiner Kanäle im Heideboden hatte es Opa besonders angetan.




Nachdem wir in der ersten Woche kein schlechtes Wetter hatten, haben wir in der zweiten einfach auch die Schlechtwetteraktivität schlechthin in Burg gemacht: Wir gingen ins Meereszentrum, wo wir alle Sorten von Tiefseefischen und sogar Haien bewundern konnten. Es gab so viele verschiedene Fische. Ganz winzige und welche, von denen ich niemals gedacht hätte, dass die so riesig sind. Das Schönste überhaupt waren aber die Rochen! Wir standen in einem Tunnel aus Glas, der unter dem Becken hindurchführte und diese schönen Geschöpfe glitten über uns hinweg. Ich hätte Stunden dort stehen und ihnen zusehen können. Es sieht fast aus als würden sie durchs Wasser fliegen. Hier fand ich aber auch heraus, woher der schlechte Ruf von Haien kommt. Diese riesigen Zähne und die kleinen starren Augen lassen sie wirklich aussehen wie verrückte Psychokiller.

















Zwischendurch waren wir auch noch am Plöner See. Der liegt auf dem Festland. Dort machten Nachbarn meiner Großeltern Urlaub und da wir ja Zeit hatten, statteten wir ihnen einen Besuch ab. Der See ist ziemlich groß, was wir bei einer Bootsfahrt herausfanden. Auch hier nisten viele Vögel und ansonsten kann man halt Segeln und schwimmen und was man an einem See halt so macht.
Ihr seht also, der Urlaub war angefüllt mit Interessanten Besuchen und Wanderungen und vor allem Fahrradtouren. Leider ging meine Kamera kaputt, so dass ich kein Beweisfoto mit Fahrrad habe. Aber es hat auf jeden Fall richtig Spaß gemacht.

Wenn ich nicht mit Opa, Brigitte und Gerti unterwegs war, habe ich gerne auch mal am Strand rumgesessen, die Füße gebadet oder saß auf meiner gigantischen Terrasse und hab einfach mal die Seele baumeln lassen. Außerdem bekam ich ja auch noch Solebäder in einem Kurhotel. Dass mich die Einrichtung ein bisschen an ein Irrenhaus und Elektroschocks erinnerte, führe ich lieber nicht weiter aus. Mir ist dort aber nichts passiert und die Bäder habe auch sehr gut getan.
Da wir sehr nahe zu Dänemark waren, sind wir auch noch in einen Safaripark gefahren und ich unternahm allein eine Bustour nach Kopenhagen, aber beides muss ausführlicher beschrieben werden, deshalb schreibe ich dafür noch eigene threads.

Den letzten Abend ließen wir im "Sorgenfrei" ausklingen bei Drinks und einer tollen Aussicht. Diese Bar hätte ich wirklich gerne in den Koffer gepackt und mitgenommen. So, habe ich aber wenigstens die Aussicht mitgenommen.






Hier noch ein paar Schnappschüsse meiner Reisebegleiter: