Donnerstag, 1. Mai 2008

Niederlagen

Ein Kind fällt hin und wenn Mami oder Papi nicht gleich angerannt kommen, um es aufzuheben, steht es auch ganz schnell wieder auf. Wäre das nicht so, würden wir wahrscheinlich alle noch auf allen Vieren durchs Leben krabbeln. Wir sind also von frühester Kindheit daran gewöhnt Niederlagen einzustecken und trotzdem weiterzumachen. Dennoch schmerzen manche mehr als andere, körperlich oder auch seelisch. Wenn wir vom Fahrrad fallen, heulen wir ein bisschen und steigen in den meisten Fällen schnell wieder auf und die Erinnerung an das aufgeschlagene Knie verblasst schnell. Okay, oder man schreit wie in meinem Fall: „Ich hab mein Gleichgewicht verloren!“


Natürlich wäre es schön, wenn wir alles gleich auf Anhieb könnten, aber wie heißt es doch? „Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen“. Niederlagen geben uns doch auch die Chance neu zu beginnen und aus unseren Fehlern zu lernen. Und sie zeigen uns auch, dass wir nicht alles als selbstverständlich betrachten dürfen. Man sollte nicht glauben etwas schon in der Tasche zu haben. Mein Lateinlehrer an der Uni nennt das Gipfeleisfeld. Man glaubt sich am Ziel und padautz liegt man so richtig auf der Nase, weil man das unter dem Schnee verborgene Eis nicht gesehen hat. Dann muss man aufstehen und mit geschärften Sinnen neu anfangen.


Das musste (oder durfte?) ich gerade auf die harte Tour lernen. Kurz vorm Ende meine Studiums habe ich die letzte Klausur so richtig versaut. Wiederholung erst im September möglich. Damit war meine gesamte Planung für die nächsten Zwei Jahre dahin und eine Welt stürzte ein, beziehungsweise ertrank in einem Tränenmeer. Plötzlich fühlte ich mich wie der größte Idiot auf Erden, wie ein Nichtskönner. Zwar redeten mir alle gut zu, und mit Sicherheit hatten sie auch alle Recht, aber in diesem Moment kann einem, glaube ich keiner helfen. Das Ego schrumpft einfach erst einmal auf die Größe einer Tiefkühlerbse. So als wäre man vom Gott der Weisheit gewogen und für zu leicht befunden worden.


Erst als ich akzeptiert hatte, dass ich erstens jetzt sowieso nichts mehr ändern kann und zweitens jeder mal einen schlechten Tag hat. Ging es besser. Irgendwann fing ich an, auch das Positive an der Situation zu sehen. Nämlich, dass ich jetzt einen richtigten Sommer habe und nicht drin sitzen muss, wenn andere im Schwimmbad sind und erst im Winter, wenn es früh dunkel und kalt ist, an meinen Schreibtisch verbannt werde. Dazu kommt, dass ich meine Recherchereise machen kann, wenn es schön ist und es sich lohnt auch was von der Gegend zu sehen. So habe ich vielleicht ein halbes Jahr verloren, aber irgendwie auch nicht. Als ich das Ergebnis erfuhr fühlte es sich an wie mein persönliches Waterloo, aber im Gegensatz zum kleinen Mann aus Korsika, ist das für mich ja nicht das Ende. Vielleicht sollte mir das ja auch einfach zeigen, dass ich noch nicht so weit bin und noch ein bisschen Zeit brauche.


Niederlagen können also durchaus etwas Gutes bedeuten, auch wenn es erst mal schmerzt.