Mittwoch, 31. Oktober 2007

6 Tage, 3 Städte, 10 Bibliotheken, 2 Verlage und eine Uni

Eine Exkursion nach England mit 13 Mädels und 2 Professoren
Die meiste Zeit sahen wir wohl aus wie Japaner, die versuchen ganz Europa in 10 Tagen zu sehen und dabei alles fotografieren was ihnen vor die Linse kommt. Ähnlich ging es uns nämlich auch, denn auf unserem Plan standen 10 Bibliotheken, 2 Verlage, eine Buchhandlung und die englischen Buchwissenschaftler in London. Und dafür hatten wir nur 6 Tage Zeit, das heißt, eigentlich nur 5 weil wir den ganzen Samstag für die Rückreise gebraucht haben.

Montag ging es also in aller Frühe los, erst mit dem Shuttle nach Hahn und von dort mit RyanAir nach London Standstead, und von da mit dem Zug nach Cambridge. Wir haben nur schnell unsere Zimmer bezogen und sind dann los. Das B&B sollte allerdings Erwähung finden, denn es war echt gut. Die Zimmer bestanden zwar auf Grund unserer schieren Zahl nur noch aus Betten, aber dafür war es total sauber und gemütlich. Das Bad war zwar eher interessant, weil die Tür nur bis auf einen handbreiten Schlitz zuging, was ein Mädel aus dem Zimmer dazu veranlasste nicht nur bei den anderen Duschen zu gehen, sondern sich auch im Dunkeln die Zähne zu putzen, ständig kontrollierend ob auch ja keiner guckt. Aber ansonsten war es super. Zum Frühstück gab es sogar selbstgebackene Muffins und eine Frau alleine schaffte es in einer normalen Küche English Breakfast für 15 Leute zu machen. Respekt!

Unsere erste Station noch am Montag waren dann die Bibliothek des St. John's College und die des Newhall College, übrigens ein reines Mädchen College. Die eine war sehr alt und die andere sehr modern. Einen größeren Kontrast sollten wir in dieser Woche nicht mehr zu sehen kriegen. Toll fand ich, dass die im Newhall 24 geöffnet ist und man bzw Frau sie jederzeit nutzen kann, da das ganze auf dem Honorsystem funktioniert, dass keiner Mist baut.
Den Abend verbrachten wir auf der Suche nach etwas zu essen, da wir ausgehungert wie die Wölfe waren. Fündig wurden wir dann mit fast allen bei einem Imbissladen. Ich glaube, ich habe Fast Food noch nie so genossen, aber wahrscheinlich echt nur, weil ich so Hunger hatte. Danach strichen wir noch etwas durch den einzig offenen Laden, die Buchhandlung Borders und suchten uns dann ein Pub, um noch ein Bier zu trinken. Da aber das Trimester in Cambridge noch nicht begonnen hatte, war nichts los und so landeten wir im Regal Wetherspoons, einem Pub, dass eher einer American Sportsbar glich und in dem sich die lokale Schülerschaft versammelte. Volljährig konnten die nämlich alle noch nicht sein. Viel geiler aber war das Outfit der Mädels, denn wir waren hoffnungslos underdressed. In ist dort im Moment vor allem eine pinke Neonleggings mit möglichst nur einem Shirt, das gerade über den riesigen Hintern reicht oder maximal einem Micromini Rock, den man schon fast gar nicht mehr sieht. Wenn sie doch bloß auch die Figur dafür hätten!
Relativ früh, aber nach meinem Gefühl schon sehr sehr spät haben wir uns dann ins Bett getrollt. Und das war richtig bequem. Sonst schlafe ich ja eher schlecht in Hotels, aber da konnte man echt schlummern!

Der Morgen kam allerdings viel zu früh und mit ihm ein Tag mit vier Programmpunkten, die alle im Laufschritt absolviert werden mussten, weil so eng geplant worden war.

Als erstes Pembroke College, das malerischste von denen die wir besucht haben. Dort war das besondere die geschmückten Bleigasfenster, die wahnsinnig schön waren. Zum Teil dienten sie als Schmuck zu Teil ans Sichtschutz, da man von der einen Gebäudeseite nicht in den Garten des benachbarten Peterhouse College gucken durfte. (Wieder eine der spleenigen englischen Regeln).

Danach war Christ College dran. Dort bekamen wir erst mal Tee und Kekse und dann wurden wir in eine wunderschöne alte Bibliothek geführt. Das Motto gefiel mir am besten: "Souvent me Souvient." Ich erinnere mich oft.

Dann mussten wir den Bus nehmen und nochmal ewig laufen um zur Cambridge University Press zu gelangen. Dort wurden wir durch die Druckerei geführt und konnten endlich mal die riesigen Heidelberger Druckmaschinen in Aktion sehen. War schon sehr beeindruckend.

Danach ging es im Trab und komplett zu Fuß zurück in die Stadt, damit wir pünktlich in Peterhouse waren, aber wir kamen doch zu spät, denn der Weg ist echt lang. Auch diese Bibliothek ist sehr alt und sehr schön.

Das anschließende Essen im University Club, der Mensa, war eher typisch englisch, also eher totgekocht und nicht sehr lecker. Dafür war der Nachtisch Spongecake mit Vanillesoße um so toller. Der Kuchen saugt sich wie ien Schwamm, deswegen Sponge, mit der Soße voll und das schmeckt himmlich, weil er auch noch warm ist.

Der Dienstag Abend war dann eigentlich auch schon gelaufen. Zum Weggehen waren wir gar nicht mehr fähig also besorgten wir uns bei Sainsbury's ein paar Bier und was zum Knabbern und machten ne Pyjama Party und sahen Englisches CSI, was mir natürlich sehr entgegenkam als Fan der Serien.

Mittwoch Morgen hieß es dann unseren Kram zur Bushaltestelle in die Stadt bringen und dan dreieinhalb Stunden mit einem unbequemen Bus nach Oxford tuckern. Die meisten von uns haben geschlafen, weil es nichts anderes zu tun ganb. Lesen ging nicht, weil wir gefühlte 100 Roundabouts durchquerten, und das auch dem hartgesottensten das Frühstück wieder hochkommen lässt.

In Oxford hatten wir einen vergleichsweise kurzen Fußmarsch mit Gepäck zur Jugenherberge. Meine Tasche war inzwischen auch auf dem Trolley eines der Professoren verstaut. Keine Ahnung warum, aber der wollte sie netterweise unbedingt mitnehmen, und ich war so kaputt, dass ich mich nur oberflächlich streubte. Unsere Zimmer konnten wir allerdings noch nicht beziehen, nur unsere Sachen einschließen und dann wieder weiter um pünktlich zu unserer Führung im Merton College zu kommen. Diesmal hatten wir allerdings mal ne gute Stunde um uns ein klein bisschen in der Stadt umzusehen, was zur Folge hatte, dass wir in den nächsten Accessories stürtzten und uns kurz einem Kaufrausch hingaben, der bei mir mit zwei Mützen endete.

Merton College war nett. Empfangen wurden wir gleich von einem netten Postgraduate (Doktorant) namens Nathan, der allerdings genauso wenig aus England kam, wie die nachkommende Bibliothekarin. Er kam aus Kentucky! Und er war auch sichtlich überwältigt von unserer weiblichen Überzahl. Also strengte er sich bei der Führung durchs College und dessen Bibliothek auch echt an. Aber acuh ohne Führung fand ich es toll hier. Das wäre in Oxford mein Favorit gewesen. Aber 3,000 Pfund pro Jahr sind schon happig.



Danach war das zum Glück benachbarte Christ Church College dran. Das war dann wiederum einfach nur überwaltigend. Schon die schiere größte und der Festsaal, der für das wöchentliche Bankett eingedeckt war, waren beeindruckend. Die Bibliothek, in der Lewis Caroll schon gearbeitet hat und in der zum Teil auch Alice im Wunderland für die Tochter des College Masters entstand, hatten bis jetzt die größten Ausmaße.

Hier ließe es sich schon sehr gut arbeiten. Die Massen an Büchern bei der Bibliohtekarin deuteten auch darauf hin, dass das Trimester bald beginnt und dann eine Schar von Neuankömmlingen die Tische bevölkert. Der benutzbare Teil ist nämlich für die Undergraduates (Erstsemester und so).
Da das unser letzter Programmpunkt für diesen Tag war, sind wir zurück in die Jugendherberge um aus zu packen und eigentlich auch um zu duschen, doch das haben wir uns alle ganz schnell verkniffen. Unser Bad roch nicht nur unappetitlich, es sah auch eher gesundheitsgefährdent aus. Meine Laune sank schon mal und jeder, der weiß, dass ich meine tägliche Dusche echt brauche um mich wortwörtlich in meiner Haut wohl zu fühlen, weiß wie das aussehen kann. Die anderen Mädels schien es aber nicht zu stören und sie machten sich mit Hifle von Deo und Schminke frisch. So aufgedonnert wie sie waren, kam ich mir echt underdressed vor. Später, als wir dann ein nettes Pub gefunden, etwas gegessen und ein paar Pitcher Bier zu uns genommen hatten, ging es mir aber auch wieder besser und wir hatten noch einen echt lustigen Abend. Allerdings wurden wir immer lauter, nichtsahnend, dass die Jungs über die wir uns auch ausließen uns nicht nur am anderen Ende des Pubs hören, sondern auch verstehen könnten. Ups! Peinlich! Sie waren aber gnaz gut drauf uns so hatten wir noch ein nettes Gespräch mit ihnen, bevor uns der Barkeeper alle rausfegte. Allerdings auch nur, um uns dann selbst in der Stadt wieder zu begegnen auf dem Weg um selbst zu feiern.

Die Nacht war, wie Nächte in ekligen Jugenherbergen halt sind. Aber das Frühstük machte eigentlich alles wieder wett, denn das erste mal auf der ganzen Fahrt gab es Obst, das ich auch essen konnte: Melone. Es tat so gut mal wieder was frisches zu essen, statt nur Sandwiches, Fish and Chips, oder Baguettes!

Wir mussten nur schon ganz früh los, weil wir schon vor normaler Öffnung eine Führung durch die altehrwürdige Buchhandlung Blackwell's bekamen. Wow! Die meisten Aktien hält tatsächlich immer noch die Familie und fast alle Mitglieder sind noch im Stammhaus geboren. Allerdings ist es vor ein paar Jahren komplett zum Laden geworden. Aber dafür merkte man hier die Liebe zu Büchern und zum Kunden. Im Gegensatz zu Waterstones und Borders gab es hier nicht nur die üblichen hundert Titel der Bestsellerlisten, sondern auch echte Qualitätsbücher. Habe zwei sehr schöne Bücher erstanden: dem Ort entsprechend eine illustrierte Ausgabe von Alice im Wunderland und Hinter den Spiegeln und eine tolle Edition von William Blake's "Songs of Innocence und Experience".

Für den nächsten Termin musste wir ausnahmsweise mal nur über die Straße, denn Blackwell's liegt genau gegenüber bzw auch über der Bodleian Library, der Mutter aller Bibliotheken.
Viel toller als das, was architektonisch sehr schön gebaut über der Erde liegt, fand ich aber das unterirdische Magazin. Da ein Großteil der Bibliothek rund ist, musste eine besondere Regalkonstruktion erfunden werden und so hängen die Regale an der Decke des Kellers und lassen sich einzeln der Länge nach ausziehen. Allerdings erstreckt sich das Ganze zwischen drei Gebäuden unter einer Straße hinweg ( also auch unter Blackwell's durch), so dass man sich nach 17h abmelden soll, wenn man runter geht, damit niemand eingeschlossen wird.

Im Anschluss hatten wir noch ein klitzkleines Bissschen Zeit und dann hieß es auch schon Koffer holen und mit dem Bus ab nach London. Ihr ahnt gar nicht wie sehr ich mich auf unser richtiges Hotel freute. Doch zuerst standen wir in Shepherd's Bush ewig im Stau. Lange genug um zu erkennen, dass London auch Slums haben, in denen die Menschen in Hüttchen wohnen und die Kinder unter der Autobahnbrücke Fußball spielen.

Als wir dann schon im Dunkeln im Richmount Hotel angekommen waren und die Zimmer möglichst gerecht verteilt hatten, stürtzte ich mich als erstes unter die Dusche. Boa! Das tat so gut! Danach war ich wieder fit und so haben wir uns mit einer kleinen Gruppe Mädels auf die Suche nach einem Restaurant gemacht. Man sollte nicht meinen, wie woll das Viertel um die Tottenhamcourt Road an einem Donnerstag Abend ist. Überall stehen Leute auf dem Bürgersteig, weil man drinnen ja nicht mehr rauchen darf, aber eigentlich ist das ein ganz schönes Bild. Und nach ein bisschen Suchen fanden wir auch einen Tisch in einem indischen Restaurant. Dort traf ich mich übrigens auch zum erstgen Mal mit Vinod, mit dem ich mir seit Dezember Emails geschrieben hatte.Er schien ganz nett. Und so zogen wir alle zusammen noch ein bisschen um die Ecken. Leider war ich hundemüde und fußlahm, also war der Abend relativ schnell vorbei. Eigentlich wollten Vinod und ich uns am nächsten Tag aber wieder treffen, wenn wir alle ins Globe Theater gingen. Aber wie es manchmal so geht, wurde aus beidem nichts, denn das Globe war ausverkauft und Vinod ist eine beleidigte Leberwurst, weil ich nicht schnell genug auf eine SMS genatwortet habe. (*pf*)

Am nächsten Morgen nach einem Chlorhaltigen Frühstück, das ahnen lies, warum es hier so sauber war, hatten wir einen der Höhepunkte auf der Liste: die British Library. Dort wurden wir erst in einem tollen Konferenzraum empfangen und mit Tee und Keksen versorgt und bekamen dann eine tolle Führung durch die Ausstellungen. In der ständigen lag das Manuskript von Charlotte Brontes "Jane Eyre"! Allein damit hätte ich mich einen ganzen Tag beschäftigen können.Die Magna Carta haben wir natürlich auch gesehen. Außerdem gibt es eine Ausstellung namens "SACRED" die heilige Schriften aus allen Religionen zeigt. Ich hätte ja niemals zu träumen gewagt einmal die Lindisfarne Gospels in echt zu sehen Und einen Vorhang, der einmal in Mekka die K'aba verdeckt hat, und der wohl jedes Jahr neu gemacht wird.

Am liebsten wäre ich den Rest des Tages hier geblieben, aber leider mussten wir noch zu zwei weiteren Treffen. Also hetzten wir dann mit einem 10 minütigen Abstecher ins British Museum zur London University, um dort mit DEM englischen Buchwissenschaftler Prof, Simon Elliot zusammenzutreffen und uns über unser Fach auszutauschen. Der Mann gefiel uns schon deswegen, weil er uns mit riesigen Tabletts voll Sandwiches erwartete, die genau zur richtigen Zeit kamen, denn es war schon weit nach Mittag und wir hatten keine Chance gehabt, essen. Und so stürtzten wir uns wie ausgehungerte Wölfe auf die Sandwiches. Danach waren wir endlich wieder fähig Prof. Elliot zu folgen und ich muss sagen, teilweise machen die echt interessantere Sachen als wir, aber deren System funktioniert auch ganz anders.

Nach einem angeregten Austausch von Gedanken und Informationen machten wir uns dann erfrischt, weil wir endlich mal zwei Stunden am Stück sitzen durften, auf zur St.Paul's Cathedral, deren Bibliothek wir gezeigt bekommen sollten. Und das war etwas, dass ein relativ großes Privileg ist, denn erstens durften wir noch rein ein Gottesdienst stattfinden sollte und zweitens wurden wir direkt an der Schlange vorbeigelotst. Der Bibliothekar war auch etwas besonderes, denn er schien direkt einem Roman über den englischen Hochadel entsprungen, wie er da im maßgeschneiderten Nadelstreifenanzug und Maßschuhen vor uns stand. Die Bibliothek selbst liegt unter dem Dach in einem eigens von Christopher Wren entworfenen Raum. Leider darf ich davon keine Fotos zeigen. Aber ich glaube ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass sie der perfekte Drehort für eine Gelehrtenstube wäre (Dan Brown lässt grüßen). Die Atmosphäre war toll und wir konnten uns kaum losreißen.

Doch da das unser letzter Programmpunkt war, und wie ich finde mit der beste, sollte endlich unsere Freizeit beginnen. Das heißt wir hatten etwa drei Stunden bis wir uns zum Abschlussbier im Hotel treffen sollten. Nachdem sich einige aus der Gruppe verabschiedet hatten, zog ich mit zwei anderen Mädels los, um London mit einem der roten Doppeldeckerbusse, die hier Big Reds genannt werden, zu erkunden.
Aber wir blieben nicht lange sitzen, sondern stiegen doch am Trafalgar Square aus und liefen dann die typischen Touristenpunkte ab: Pall Mall, Westminster Abbey, Houses of Parliament, London Eye (mit dem wir leider wieder nicht gefahren sind) und zum Abschluss mein Lieblingsplatz Covent Garden. Bis dahin hatte auch ich mir dann endlich eine riesen Blase gelaufen trotz Turnschuhen.

Man merkte inzwischen aber allen an, dass sie ähnlich satt waren wie ich, denn die Stimmung wurde immer gereitzter. So verabschiedete ich mich nach einem netten Abend mit dem Professoren, die uns allen Bier spendierten, um mal ein paar Minuten für mich alleine zu haben.

Fazit: Es war toll und wahnsinnig interessant, und wir haben vieles gesehen, was man als normaler Tourist niemals zu Gesicht bekommen würde. Allerdings war ich auch froh, als es vorbei war und wir uns am Samstag Nachmittag dort von einander verabschiedeten, wo wir gestartet waren, am Mainzer Hauptbahnhof.

Noch toller fand ich, dass Mama und Peter mich abholten. Schließlich ist es schön, wenn man heimkommt und es heißt einen jemand willkommmen.