Sonntag, 2. September 2007

Praktikum in Köln die zweite Woche


8. Tag Sonntag 02.September 2007

Klichées sind doch was schönes! Vor allem wenn sie so schön bestätigt werden: Aus einem Handy ertönt ein ABBA-Song, ein Typ geht ran und flötet wunderschön nasal: "Hallooo Achim!"
Aber zu meinem heutigen Tagesbericht: da ich mich heute etwas morbide fühlte, machte ich mich auf zum Melaten Friedhof. denn da konnte ich einem meiner lange vernachlässigten Hobbys fröhnen, dem Fotografieren von Grabengeln. Wahrscheinlich halten mich jetzt einige für verrückt, aber ich mag Friedhöfe. Sie sind so schön ruhig und es stört einen bestimmt keiner beim Schlendern durch die Reihen der Gräber mit ihren abertausenden Namen. Und da dieser Friedhof relativ alt ist, war die Chance groß, dort schöne Engel zu finden, die über die Toten wachen.
Den Beweis, dass der Herbst jetzt unwiderruflich Einzig hält habe ich hier auch entdeckt, denn auf dem Weg lag die erste Kastanie des Jahres.
Stundenlang lief ich einfach nur die vielen kleinen Wege entlang, las Namen und Familiengeschichten, besuchte das Grab von Willie Milowitsch und genoss einfach die Ruhe. Dabei begenete mir hier sogar ein Jogger.
Ansonsten habe ich auch endlich einen Ersatz für mein geliebtes Perfect Day gefunden: Die Bagelstation. Da gibt es nicht nur wahnsinnig leckere Bagel, sonder auch Suppen, Kaffee, Kakao und Muffins. Eben wie zu Hause. Das Ambiente ist auch sehr gemütlich und mit Swing kriegt man mich ja eigentlich immer.



9. Tag Montag 3. September 2007

Die Routine hat sich ganz langsam angeschlichen und nun ist sie da. Habe den ganzen Tag damit verbracht passende englischsprachige Verlage für drei unserer Titel zu finden. Das hat bis Feierabend gedauert und wirklich zufireden bin ich nicht. Mal sehen, was Judith morgen sagt. Mehr war nicht, tut mir leid.
Aber an dieser Stelle schicke ich euch allen ganz viele Grüße und Küsse!

10. Tag Dienstag 4. September 2007

Komme so langsam in den Job rein. Seit heute mache ich sogar die Terminierung für meine Chefin für die Buchmesse. Das heißt vor allem Telefonate mit dem Ausland. Aufregend! Meine ersten Gespräche in Englisch! Und es hat tatsächlich sehr sehr gut geklappt.
Der Abend war total lustig! Habe mich mit Svenja, einer Freundin mit der ich schon auf der Grundschule war, und ihren "Püppis", also ihren Jungs getroffen, um ins Scala Theater zur zweiten Hauptprobe von Richmodis - Jebütz weed immer zu gehen. Ein Freund von Svenja, Camelo, arbeitet dort an der Bar und so konnten wir für lau zugucken. Mit dieser illustren Runde hatten wir ziemlich viel Spaß und das Stück übrigens in Mundart mit ziemlich viel Musik, ein bisschen wie das Jugenclubtheater nur eben auf Kölsch, war echt komisch. Irgendwie geht es um eine der Stadtheiligen, die während der Pest für tot gehalten wurde, aber wieder auferstand und um einen Totengräber. Ganz verstanden habe ich das nicht, aber es man konnte ziemlich viel lachen. Richmodis von Aducht wird übrigens von einer Nichte von Trude Herr gespielt. Die Stimme klingt auch eindeutig nach Verwandschaft.
Da das Stück schon ziemlich lang ging, hatte ich leider nur noch kurz Zeit, um mit in den neuen Club "the O" am rudolphplatz zur Funky Chicken Party zu gehen. "the O" ist ein ziemlich kleiner Club, mit den typischen House Beats. In Köln geht es auch von ein Uhr Nachts nicht richtig los. Aber es war schon einigermaßen voll. Haben ein paar Kölsch, eher Limo als Bier, genommen und getanzt. Die Bardame machte dem Ruf ihrer Zunft alle Ehre, denn ihr BH-loser Busen viel einem aus dem Wickelkleid fast entgegen, wenn sie sich über die Theke beugte. In unserer Runde hatten die Herren dafür allerdings kein rechtes Auge, da sie wir mehr eher den Kerlen hinterguckten.

So um eins bin ich dann heim, denn sonst wäre ich morgen gar nicht mehr aus dem Bett gekommen.


11. Tag Mittwoch 05.09.2007

Heute morgen bin ich tatsächlich ganz gut aus der Kiste gekommen. Früh war es halt trotzdem. Auf der Arbeit gab es heute ein bisschen Aufregung, weil gleich zwei große Kritiken in der taz und der FAZ erschienen sind, die natürlich jeder gleich haben wollte, aber die Post war zu spät dran. Die arme Praktikantin aus der Presse war schon ganz genervt, weil alle paar Minuten jemand im Büro stand und nachfragte.
Als sie dann endlich da waren, machte ich mich auch gleich an die Auswertung und die Übersetzung. Der Rest des Tages bestand aus Termin planung, Briefen und Mails. Und dem Versuch Briefe aufzusetzen um unsere Bücher englischen und amerikansichen Verlagen schmackhaft zu machen. Da saß ich gestern schon dran, aber jetzt bin ich endlich soweit, dass sie morgen raus können.
Jetzt genieße ich erst mal den Feierabend. So ein 7,5 Stunden Tag schlaucht ganz schön.

12. Tag Donnerstag 6. September 2007

Man könnte meinen, ich sei heute etwas selbstmorgefärdet, denn erst hätte ich mich heute fast in die Hand getackert, also ich blieb mit dem anderen Ende des Tackers in der Haut zwischen Daumen und Zeigefinger hängen. Autsch! Tat das weh! Aber wenigstens hat es nicht geblutet. Und dann ist es endlich passiert. Ich bin fast von einem Fahrrad überfahren worden. Aber in dieser Stadt ist es sowieso nicht die Frage ob, sondern wann es passiert. Denn hier gibt es so dermaßen viele Radfahrer, wahrscheinlich mehr als Autos. Hier muss man wirklich richtig aufpassen, dass man nicht aus Versehen auf dem Radweg rumlatscht und da sich die lieben Radfahrer an keine Verkehrsregel halten, auch, wenn man über die Straße geht.

13. Tag Freitag 07. September 2007

Wieder liegt eine Interessante und arbeitsreiche Woche hinter mir. Und heute hatte ich sogar den ersten Besuch. Natascha und Ondrej kamen für ein paar Stunden, weil er geschäftlich hier zu tun hatte. Es tat so gut euch zu sehen, Leute! Und ich hoffe, dass ihr bald nochmal für länger kommt.
Auf der Arbeit gab es heute eine Verabschiedungsparty. Eine der älteren Kolleginnen geht in den Ruhestand und hat mit Prosecco, Zwiebelkuchen und Pflaumenkuchen gefeiert. Nach einem vollen Glas Prosecco ging es uns allen, glaube ich, ziemlich gut, zumindest wirkten alle viel lockerer. Ja und dann holte mich ja auch schon Natascha von der Arbeit ab. Zum Glück hatte ich schon alle Französichen Verlage für unsere Bücher gefunden, und konnte dann gehen.
Freue mich schon auf Montag, aber jetzt mache ich es mir erst mal mit den Manuskripten, die ich gestern mitgenommen habe, gemütlich. Die Bücher sind zwar alle mitlerweile erschienen, aber ich muss mich ja mal informieren woum es in ihnen geht.